Kultur

Interview Die britische Popsängerin Kim Wilde über ihr neues Album, sexuellen Missbrauch und das Konzert am 4. Oktober im Mannheimer Capitol

„Es wird ein geradezu überirdisches Erlebnis werden“

Archivartikel

Nach siebenjähriger Pause hat Kim Wilde wieder ein Album veröffentlicht: Auf „Here Come The Aliens“ überrascht die britische Sängerin mit noch immer erstaunlich starker Stimme. Darüber und über ihren Auftritt am 4. Oktober im Mannheimer Capitol sprach sie mit dieser Zeitung.

Mrs. Wilde, Ihr neues Album heißt „Here Come The Aliens“. Im Auftaktstück „1969“ berichten Sie von einem Ufo , das Sie gesehen haben. Glauben Sie wirklich an fliegende Untertassen?

Kim Wilde: Als ich eines Tages im Jahr 2009 in meinem Garten war, es dämmerte gerade, da tauchten Lichter am Himmel auf. Ich hab dann meinen Mann gerufen. Und dann begann ein Licht sich schnell zu bewegen. Es war sehr befremdlich. Und dann kam ein weiteres Licht hinzu. Wir haben das etwa 10 Minuten lang beobachtet. Dann war es vorbei. Aber jemand bei uns im Ort hat ein gigantisches Objekt gesehen. Für mich war das definitiv ein Ufo. Ich glaube daran, dass es eine Intelligenz besaß. Es war viel fortschrittlicher als das, was es hier auf der Erde gibt.

Und das inspirierte Sie nicht nur dazu, den Song „1969“ zu schreiben, in dem es darum geht, dass Außerirdische uns besuchen, um die Erde vor dem Untergang zu bewahren. Es gab auch den Anstoß für das ganze Album?

Wilde: Ja, „1969“ war der erste Song, den ich für das Album schrieb, das war im Jahr 2014. Er gab aber auch den Anstoß für die gesamte Covergestaltung. Meiner Nichte habe ich von der Begegnung mit dem Ufo erzählt. Und sie hat dann diese wunderbare visuelle Gestaltung des Albums gemacht. Wir wollten etwas Spektakuläres machen, für das CD-Booklet, vor allem aber auch für die Vinylausgabe.

Na dann freue ich mich schon auf das Video.

Wilde (lacht): Wir haben noch kein Video gemacht, aber das wäre eine fantastische Sache. Wir werden die gesamte Tour unter das „Alien“-Thema stellen. Wir werden mit Kostümen und Beleuchtungseffekten arbeiten. Es wird ein geradezu überirdisches Erlebnis werden.

In Ihrem Song „Pop Don’t Stop“ singen Sie „Was alt ist , ist jetzt wieder neu“. Ist das nicht eine Art Motto dieses Albums, das ja die Pop-Vergangenheit beschwört?

Wilde: Ja, das ist es. Wie haben uns viel Inspiration aus der Vergangenheit geholt. Und zwar von Leuten, die meinen Bruder Ricky, der das Album produzierte, und mich beeinflusst haben.

Stört es Sie nicht, dass Sie heute immer noch als Ikone der 1980er Jahre angekündigt werden ?

Wilde: Deswegen habe ich ja das Album gemacht. Ich liebe die 80er. Aber ich will da nicht aufhören. Deswegen hat es gedauert, bis das Album fertig war. Es soll auch weiterführen. Und das wollten wir richtig hinkriegen: Es sollte mit einem Bein in der Vergangenheit und mit dem anderen Bein in der Gegenwartstehen.

In Ihren Songtexten greifen Sie aktuelle Themen auf, etwa den Wahnsinn in den sozialen Netzwerken in „Cyber.Nation.War“. Ist das nicht eigenartig, wenn Sie düstere Themen mit eingängigen Popmelodien verbinden?

Wilde: Nein, ich denke, Popmusik ist ein großartiges Mittel, um Botschaften an die Leute zu bringen, ohne das Publikum gleich zu überwältigen. Du hast drei, vier Minuten, um die emotionale Seite dieser Themen zu vermitteln. Eine Popplatte ist ein sehr starkes Medium.

Ihre Stimme klingt überraschenderweise noch so frisch wie in den 80ern. Wie schaffen Sie das?

Wilde: Oh ja, viele Leute sagen mir das. Ich nehme das als Selbstverständlichkeit hin, weil ich die ganze Zeit über gesungen und meine Stimme in Gebrauch gehabt habe. Ich habe in den letzten 15 Jahren viel Live-Arbeit gemacht, bin oft auf Tour gewesen, rund um die Welt. Daher ist meine Stimme sehr, sehr stark. Aber es ist fantastisch, wenn die Leute mir das sagen.

Zurzeit wird die gesamte Kunst und Musikszene von der Me-Too-Bewegung und der Diskussion um Sexismus erschüttert. Haben Sie in dieser Hinsicht negative Erfahrungen gemacht?

Wilde: Ich denke, aus meiner Perspektive sind ebenso viele Männer wie Frauen Opfer von Sexismus. Sexueller Missbrauch betrifft alle Aspekte des Lebens, nicht nur die Musikindustrie. Natürlich ist auch das Filmgeschäft betroffen, aber auch die Kirche. Es gibt keinen Bereich der Gesellschaft, der davon ausgenommen ist. Es ist ein Problem, das Klassen, Religionen, ja, die ganze Welt betrifft. Es ist furchtbar. Ich bin froh, dass es nun diese Diskussion darüber gibt. Je mehr darüber gesprochen wird, desto weniger werden solche Dinge vorkommen. Das hoffe ich zumindest. Ich persönlich wurde zum Glück nie damit konfrontiert.

Am 4. Oktober werden Sie im Mannheimer Capitol auftreten. Sie haben schon mehrfach Konzerte an verschiedenen Orten in Mannheim gegeben. Können Sie sich ich an die Bühnen erinnern?

Wilde: Meistens erinnere ich mich daran, wenn sie betrete. Und ich kann mich daran erinnern, dass ich bei verschiedenen Gelegenheiten in Mannheim zu Gast war. Ich erinnere mich vor allem an die „Proms“-Tour; wir waren damals im Dezember in Mannheim, und der Weihnachtsmarkt hatte gerade geöffnet. Und die Leute hier in Mannheim lieben die Rockmusik. Es ist einfach eine tolle Stadt.