Kultur

FN-Interview Gespräch mit der Debut-Jurorin und Sängerin Anna Larsson aus Schweden

„Es ist fantastisch hier“

Großes Gewicht bei der am späten Mittwochabend mit dem Semifinale beendeten Qualifikation für das Debut-Finale am Samstag in Weikersheim hat eine weltweit gefragte Sängerin aus Schweden. Anna Larsson ist die Vorsitzende der siebenköpfigen Jury, die im Gewehrhaus die Auftritte von 33 Sängern aus vielen Ländern zu bewerten hatte. Anna Larsson trat schon in den berühmten Opernhäusern wie der Scala, Wiener Staatsoper, Bayerische Staatsoper, den Festspielen in Salzburg und dem Royal Opera House in London auf.

In der Spielzeit 2020/21 ist Anna Larsson mit ihrer außergewöhnlichen Altstimme in Stockholm, Paris, Madrid und Barcelona zu hören. Auf der Konzertbühne sind ihre Mahler-Interpretationen herausragend. 2005 wurde sie für einen Grammy nominiert. Fünf Jahre später folgte die Ernennung zur Schwedischen Hofopernsängerin durch König Carl XVI Gustav von Schweden.

In einer Pause des Debut-Wettbewerbs sprachen die Fränkischen Nachrichten mit der Schwedin.

Frau Larsson, wie gefällt es Ihnen im Taubertal?

Anna Larsson: Über die Einladung habe ich mich sehr gefreut. Es ist wirklich fantastisch hier und ich genieße das Schloss und die Umgebung.

Lässt sich der Beginn Ihrer internationalen Karriere mit einer bestimmten Opernaufführung verbinden?

Larsson: Außerhalb Schwedens war es 1998 das Debüt als Erda in Wagners „Das Rheingold“ an der Staatsoper Unter den Linden Berlin, dirigiert von Daniel Barenboim. Der Debut-Gesangswettbewerb weckt bei mir die Erinnerung an einen Erfolg von mir bei einem Leonard-Bernstein-Gesangswettbewerb. Es war eine prägende Erfahrung und eine wichtige Stufe in meiner Karriere.

Haben Sie einmal gezählt, wie oft Sie die Rolle der Erda in Wagners „Das Rheingold“ gesungen haben?

Larsson (lacht): Nein, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass manche Sänger die Rollen zählen. Mein Mann hat aber gezählt, wie oft ich in Mahlers zweiter Symphonie gesungen habe. Es waren 150 Aufführungen mit verschiedenen Orchestern und Dirigenten. (Anmerkung der Redaktion: 1997 feierte sie mit der Rolle der Erda ihr Debüt mit den Berliner Philharmonikern und Claudio Abbado).

Welche Klangfarben haben Sie mit Ihrer Altstimme bevorzugt?

Larsson: Ich schätze die Bandbreite von Stimmfarben; sehr tief singe ich etwa als Gaea in „Daphne“ von Richard Strauss, während Kundry in Wagners Parsifal oder Klytämnestra in Elektra von Strauss deutlich höher gesungen werden.

Sie haben an den größten Opernhäusern der Welt gastiert. Gibt es eine Inszenierung, die für Sie von ganz herausragender Bedeutung war?

Larsson: Es sind ein paar Produktionen, die ich besonders liebe. Zu nennen sind „Orphée“ von Gluck in der Orchestrierung von Hector Berlioz an der Königlichen Oper Stockholm. Nicht zu vergessen 2011 Wagners „Parsifal“ in Brüssel mit Regisseur Romeo Castellucci, der den Blick auf Wagners Werk grundlegend verändert hat.

Aber es gibt durchaus noch andere Aufführungen, die ich noch heute sehr schätze.

Wie kam es zur Ihrer Zusage für den Debut Klassik-Gesangswettbewerb?

Larsson: Ich fühlte mich sehr geehrt, als ich vor einigen Wochen gefragt wurde, weil Christine Schäfer nicht kommen konnte. Hier ergänzt die anwesende Künstlerische Leiterin Clarry Bartha: Anne Sofie von Otter hatte mir im Vorfeld gesagt: Wenn du jemanden brauchst, der deine Wellenlänge hat und dafür hervorragend geeignet ist, dann ist es Anna Larsson. Trotz der gegenwärtigen Pandemie habe ich es gewagt, sie wegen des Jury-Vorsitzes anzusprechen, weil mir ihre Erfahrungen als aktive Sängerin sehr viel bedeuten.

Ist es Ihre erste Aufgabe als Jurorin?

Larsson: Nein, wir haben in Schweden Wettbewerbe für junge Stipendiaten, wie etwa an der Schwedisch-Königlichen Musikakademie. Zudem habe ich mein eigenes Konzerthaus in Vattnäs bei Mora mit Auditions und Castings. Ich bin sehr daran interessiert, den Werdegang junger Künstler zu begleiten und zu fördern.

Mein einziges Problem in Weikersheim: Am liebsten würde ich helfen, alle Bewerber ins Finale zu bringen.

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