Kultur

Literatur regional Meinrad Braun gelingt mit "Die abenteuerliche Reise des Pieter van Ackeren in die neue Welt"ein launiger Historienroman

Er will doch nur seine Ruhe

Wir befinden uns im Jahr 1701. Ganz Südamerika ist von niederländischen und spanischen Kolonialisten besetzt . . . Ganz Südamerika? Nein! In den Wäldern warten flüchtige Sklaven, wilde Indianerstämme und noch wilderes Urvieh von Anakonda bis Kaiman nur darauf, das Land von den neuen Bewohnern zurückzuholen.

In dieses Tohuwabohu begibt sich der Mannheimer Autor Meinrad Braun (Bild, "Gabun", "Winterreise") mit seinem neuen Historienroman "Die abenteuerliche Reise des Pieter van Ackeren". Sein Held, der namensgebende Pieter van Ackeren, muss wegen seines pietistischen Glaubens aus den Niederlanden fliehen.

Eine Kolonie Gleichgesinnter in Surinam soll zur neuen Heimat werden. Doch der Plan bleibt Utopie. In wildem Reigen gerät der unbedarfte Jungspund an sittenlose Sklavenbanden, schurkische Menschenhändler, Indianer, Jesuiten, Spanier, um nach einer unfreiwilligen Bekanntschaft mit englischen Kaperern schließlich wieder Fuß auf niederländischen Boden setzen zu können.

Bei all dem Trubel bleibt die Persönlichkeit des armen Kerlchens defizitär. Nicht, dass van Ackeren unflexibel wäre: Der junge Mann lässt sich im Verlauf der Reise von diversem Teufelszeug (Sex, Alkohol) überzeugen. Auch das Frömmeln gibt er auf, entwickelt sich vom religiösen Eiferer zum Kauf- und Ehemann. Wie? Van Ackeren scheint es selbst nicht so recht zu wissen. Das Fazit seines ersten Schäferstündchens ist exemplarisch: Schon Sünde, andererseits sehr unterhaltsam. Und überhaupt. Adam und Eva hätten sich ja schon im Paradies den lieben langen Tag mit wildem Geschnacksel vertrieben. Noch Fragen?

Auch sonst sind die Braun'schen Charaktere eher einfach gestrickt. Hier ist gut noch gut und böse böse. Keine Figur bricht aus ihrer Rolle aus, niemand stellt den Leser vor moralische Ambivalenz. Die Protagonisten - von der widerständigen Jungfrau mit ihrem ebenso tugendhaften Kavaliersbruder bis hin zum fies-intriganten Haushofmeister - bleiben ziemlich klischeehaft. Tiefere Motive bleiben ebenso rätselhaft wie das zum Teil wenig logische Verhalten der Romancharaktere.

Van Ackerens faktengesättigter Reise merkt man die intensive Recherche an: Mit viel Kenntnis der Verhältnisse im frühneuzeitlichen Südamerika dekliniert Braun die verschiedenen Gruppen und Fraktionen durch. Das ist eine Stärke, aber auch das Hauptproblem. Denn "Die abenteuerliche Reise des Pieter van Ackeren in die neue Welt" übernimmt sich an seinem Anspruch. Die vielen Orte, Personen und Ereignisse behindern eine befriedigende Charakterentfaltung.

Doch auch wenn der Roman klare Schwächen hat: Die actionreiche Handlung erzeugt Spannung, der meist flotte Schreibstil macht das Lesen leicht. Ein Buch - und das ist auch eine Qualität - zum Abschalten. Zum Schmökern empfiehlt sich ein Glas guter Rum.