Kultur

Konzert Monteverdichor setzt mit "Joshua" Händel-Zyklus fort

Ein sphärisch schwebender Klang

Archivartikel

Stehender Applaus für eine prachtvolle Barockmusik und expressive Klangsprache: Mit dem Oratorium "Joshua" von Georg Friedrich Händel setze der Monteverdichor unter der Leitung von Professor Matthias Beckert erneut ein Glanzlicht. Und ein weiteres Ausrufezeichen hinter den Zyklus der Werke Händels. Die Zuhörer in der ausverkauften Neubaukirche in Würzburg erlebten dabei einen stimmgewaltigen Chor, einfühlsame Solisten und ein spritziges Barockorchester.

Georg Friedrich Händel hatte das Oratorium "Joshua" 1747 in gerade vier Wochen komponiert, 1748 wurde es in London, im Royal Theatre in Covent Garden, uraufgeführt. Die biblische Geschichte über den Einzug der Israeliten ins "Gelobte Land" unter der Führung von Moses' Nachfolger Joshua und dem Fall der Stadt Jericho wurde eines der erfolgreiches Oratorien zu Händels Lebzeiten - eine ähnlich durchschlagende Wirkung auf das Londoner Publikum hatte zuvor "Judas Makkabäus".

Händels Erfolgsrezept von alttestamentlichen Helden, die dem auserwählten Volk Gottes zum Sieg gereichen, bekommt in "Joshua" noch eine weitere Nuance. Eine Liebesgeschichte wird in die Handlung verwoben.

Impulsiv und prächtig

Mit einem impulsiven Dankgesang an Jehova beginnt das Oratorium, nachdem die Israeliten zuvor den Jordan durchquert hatten. Joshua als Nachfolger des Moses beauftragt seinen Krieger Caleb, aus jedem der zwölf Stämme Israels einen Mann auszuwählen. Gemeinsam errichten sie ein Monument als Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei. Danach erhält Joshua vom Engel den Auftrag, Jericho einzunehmen. Die Israeliten tragen den Sieg davon. Und Othniel, der in Calebs Tochter Achsah verliebt ist, besiegt eine weitere Stadt und erhält seine Angebetete zur Frau.

Händels prächtige Musik wussten Chor, Orchester und Solisten wunderbar umzusetzen. In der Titelrolle des mutigen Anführers Joshua bestach Tenor Andreas Post mit Dynamik und Virtuosität fest wie ein Fels in der Brandung - gerade auch im Wechselspiel mit dem Chor und dem Ruf nach den "Posaunen von Jericho", die die Mauern der Stadt auch musikalisch zum Einsturz brachten. Sven Fürsts weicher angenehmer Bass kam nicht nur bei der dramatischen Arie "See the raging flames arise" zur Geltung. Anna Nesyba als Achsah faszinierte einmal mehr mit ihrem klaren leuchtenden Sopran und flog im Freudentaumel der befreiten Israeliten zu luftigen leichten Koloraturen. Bestechend akzentuiert und nicht minder eindrucks- und gefühlvoll auch ihre Arie "Hark, tis the linnet and the trush" oder das strahlende "Oh had I Jubal's lyre".

Ein besonderer Farbtupfer der Würzburger Aufführung war Countertenor Johannes Euler, der als Altus die Rolle des Othniel bravourös meisterte. Grandios die schwierigen Koloraturen, die Händel übrigens von allen Stimmlagen abverlangt, und die zärtlich-feinen Liebesduette mit Achsah.

Die Jubelgesänge zu Ehren Gottes, die die Handlung umspannen und die rezitativ-narrativen Teile zusammenfügen, forderten hohe Konzentration und Dynamik von den 50 Sängerinnen und Sängern. Was sie beim sphärisch schwebenden "Father of Mercy" und auch dem bekannten "See, the conqu'ring hero comes" besonders unter Beweis stellten. Dieser Siegeshymnus auf die erfolgreichen Krieger Israels hat Händel später auch in sein Oratorium "Judas Makkabäus" eingebaut. Bekannt ist die Melodie aber als Weihnachtslied "Tochter Zion".

Mit seiner Spielfreude faszinierte auch das Barockorchester, das sich von Dirigent Matthias Beckert mit Leichtigkeit führen ließ und musikalische Akzente zu setzen wusste. Die historische Instrumentierung sorgte für eine ganz besondere Note der Würzburger Aufführung, was die Zuhörer zu schätzen wussten. Sie bedankten sich mit langanhaltendem Applaus. Diana Seufert