Kultur

Schlossfestspiele Zwingenberg Premiere des Musicals „Artus – Excalibur“ sorgt für große Begeisterung / Mobiler Kinderhospizdienst bekommt Premierenpräsent

Ein opulenter Schmaus für Augen und Ohren

Archivartikel

Regisseur Sascha Oliver Bauer und König Artus haben zur Tafelrunde geladen – und alle sind sie erschienen. Es ist ein angenehmer Premierenabend im Hof von Schloss Zwingenberg mit hunderten Music(al)freunden. Camelot ist modern, unaufdringlich schlicht, aber martialisch nachgebaut. Helmut Mühlbacher zeichnet mit Plastikbahnen, Holz und roter Farbe Kloster- und Burgmauern, Wälder und Schlachtfelder nach. Die Kostüme von Agnes Hamwas und Frederike von Dewitz führen auf moderne Weise das Publikum in die Zeit der Artusritter zurück. Die Choreographie Maria Wehles zieht die Zuschauer in ihren Bann, die ihre Begeisterung immer wieder zum Ausdruck bringen. Für die Orchestrierung und das Arrangement greift Koen Schoots auf keltische Klangfarben zurück. Sie und viele andere erweckten einen zeitlosen Stoff einer verklärten Welt zum Leben.

Die Zerrissenheit der Zeit, wenn nicht aller Zeiten, wird prägnant präsentiert. Grünblaues Licht schafft in der Dunkelheit eine eigene gespenstische Atmosphäre, der man sich kaum zu entziehen vermag.

Musikalisch monumental

Intendant Rainer Roos setzt mit seinem Ensemble Franz Wildhorns Musik und Ivan Menchells Buch perfekt um. Menchell entnahm seine Ideen in erster Linie aus „Le Morte Darthur“, einer Zusammenstellung englischer und französischer Artus-epik von Thomas Malory aus dem 15. Jahrhundert. Doch nun in medias res!

Nach dem Abzug der Römer ist die Insel Britannien im fünften und sechsten Jahrhundert Schauplatz von Intrigenspielen und Rivalitäten um die Vorherrschaft. Igraine, die Frau des Dukes von Cornwall, wurde von Uther Pendragon, einem Rivalen des Dukes, mittels einer List unter Mitwirkung des mystischen Zauberers Merlin (Uwe Kröger) geschwängert. Doch der Preis für den Frevel war entsetzlich. Igraine starb im Kindbett, Uthers Sohn Artus (Nikolaj Alexander Brucker) wurde ihm – so wollte es das Schicksal – entzogen.

Das Kind verbleibt unter der Obhut Merlins bei seinem Ziehvater Ector (Holger Ries). Sie verschweigen dem Jungen seine tatsächliche Herkunft. Uther starb bald bei einer der zahllosen blutigen Schlachten gegen seinen Rivalen Loth von Orkney (Sascha Oliver Bauer). Artus, ein zunächst wehrloser Spielball der Magie, des Betrugs, der Fleischeslust. Betrogen um seine Herkunft, doch nicht um seine Zukunft. Er wird an sich wachsen (müssen).

Schnell nimmt die Handlung musikalisch monumental-grandios Fahrt auf. 50 Sängerinnen und Sänger des Schlossfestchores und der Instrumentalensembles zeigen ihr ganzes Können. Merlin will einen König für das Land. Er stößt das Zauberschwert Excalibur in einen Stein. Nur der wahre König kann es wieder herausziehen.

Und Anwärter gibt es reichlich. Loths Sohn Gareth (Oleg Lapochkin) versucht sich erfolglos daran. Es kommt zu einem Streit zwischen dem spottenden Gareth, dem rechtschaffenen Artus und dessen tapferen Freund Lancelot (Sascha Krebs). Artus zieht bei dem Versuch, Lancelot zu schützen, Excalibur unbeabsichtigt aus dem Stein und vertreibt Gareth. Aber er tötet ihn nicht. Artus wird nun durch Merlin über seine Herkunft und Aufgabe aufgeklärt. Er aber flüchtet. Ihn zieht es in die Freiheit, er will Selbstbestimmung, verachtet Merlin für die Anmaßung. Schwarzmagierin Morgana (Caroline Frank), Uthers legitime Tochter, die von ihrem Vater verachtet, misshandelt und in ein Kloster verbannt worden war, sieht in einer ihrer Visionen Artus als den Grund für ihr Elend und befreit sich aus ihrem Gefängnis.

Sie musste dafür büßen, dass ihr Vater für Igraine auf seinen Sohn verzichten musste. Sie will an den Platz, den ihr das Schicksal nicht vorbestimmt hat. Ja, sie ist Täterin, aber sie ist auch Opfer. Opfer ihres Schicksals.

Im Wald trifft Artus auf Guinevere (Jana Marie Gropp), deren Vater in der Schlacht Loths mit Uther gefallen ist. Aber sie - vom Schicksal betrogen - kämpft. Sie ist es, die Artus ermutigt, sein Schicksal anzunehmen. Sie sieht in ihm, was ihm noch verborgen bleibt: Mut, Gerechtigkeit und Treue. Nicht der Rang macht einen Menschen aus, sondern was in ihm ist. Ein moderner, ein zeitloser Ansatz!

Gareth hat Artus unterdessen aufgespürt und will ihn töten. Lancelot rettet diesmal ihn. Artus begnadigt Gareth erneut und erweist sich damit Excaliburs als würdig. Er will nun König werden, Merlin weist ihm den Weg zur Burgruine Camelot, wo Artus Getreue um sich sammelt und Camelot wieder aufbaut.

Opfer des Schicksals

Dort trifft Artus auf Morgana, die seine Freundschaft zurückweist. Artus Halbschwester hat sich in ihrem grenzenlosen Zorn mit dem Mörder ihres Vaters verbündet. Das unterscheidet Artus und Morgana. Beide sind sie Opfer des Schicksals, aber sie kann ihres nicht annehmen. Guinevere wird von Artus nach Camelot eingeladen, aber auf Morganas Wink hin durch Loths Soldaten angegriffen. Lancelot rettet Guinevere und verliebt sich nichtsahnend in Artus Favoritin. Artus wird in einer monumentalen Szene gekrönt, er heiratet Guinevere. Doch Loth ist allgegenwärtig. Ein Handlanger tötet Artus Ziehvater Ector.

Trotz Merlins Warnung will Artus Rache. Sein unbändiger Hass bringt Guinevere und Lancelot einander näher. Er wird selbst zum Täter, verliert (fast) alles, weil er den rechten Weg verlässt. Um einen Krieg zwischen Loth und Artus zu verhindern, führt Merlin Morgana in die Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, ein.

Hat sie ihr Schicksal angenommen? der Macht entsagt? Nein, sie spielt ein falsches Spiel! Sie offenbart Artus die Liebe Lancelots und Guineveres. Er verstößt rasend vor Eifersucht beide. Merlin, der scheinbar gescheitert ist, entschwindet.

Artus steht in der nun folgenden monumentalen Schlacht allein, schafft es aber Loth und Gareth zu töten. Lancelot hält die Treue, indem er die Verbannung missachtet und wird verwundet. Das versöhnt die beiden Freunde. Doch Morgana gibt sich nicht geschlagen. Sie erscheint als Guinevere und versucht Artus zu töten. Guinevere aber rettet ihren Mann. Gemeinsam bauen sie ein neues Camelot.

Lang anhaltende Standing Ovations folgen – der verdiente Lohn einer großen schauspielerischen und musikalischen Leistung. Und dabei geht etwas fast unter: Die Schauspieler spenden ihr Premierenpräsent für den mobilen Kinderhospizdienst des Neckar-Odenwald-Kreises. Die Protagonisten wurden von zahlreichen Künstlern begleitet. Der Priester (Sven Wagenhöfer), die Ritter Parsifal (Anil Iligerider), Kay (Tobias Leo), Tristan (Christian Rehm), Lucan (Christian Strobel) und Lamorak (Markus Wäsch) begeisterten das Publikum. Unterstützt wurden sie durch die Nonnen (Regina Haaf, Lisa-Maria Wehle, Isabel Zimmermann und Maria Meßner), die Mutter Guineveres (Jana Kaltenbach) und die Kinder (Melanie Hess und Sophie Maier).

Zu danken ist insbesondere auch dem Festspielorchester und dem Festspielchor der Schlossfestspiele Zwingenberg unter der Leitung von Oliver Vogt, den historischen Fechtern des Vereins „Kampfhûs“ aus Hirschhorn, die die mittelalterliche Fechttradition seit 20 Jahren wiederbeleben und der Showturngruppe „Exotica“ aus Neckarelz. Sie alle haben ihren Anteil an einem großen, unvergesslichen Abend.

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