Kultur

Ein Höllenritt emotionaler Wucht

Archivartikel

Offenbach.Der Schmerz ist noch nicht verzogen: Auch ein Jahr nach Chester Benningtons Freitod prangen die Abschiedsbriefe, die tausende von Fans an den „Linkin Park“-Frontmann schrieben, noch wie ein gefalteter Stoffmantel im Hintergrund der Offenbacher Stadthalle. Die Trauer über den Verlust der Nu-Metal-Ikone sitzt tief - der im Juli 2017 verstorbene Chester Bennington war neben Linkin Park auch Sänger der Formationen Stone Temple Pilots, Grey Daze und Dead by Sunrise.

Tausende handgeschriebene Zeilen zeugen von dem Versuch eines Neuanfangs, den der Rapper Mike Shinoda mit seiner Platte „Post Traumatic“ in Töne fasste.

Dass sich die gemeinsame Mission in der Offenbacher Wüstenhitze einer - im Wortsinn - atemlosen Halle zu einem Höllenritt emotionaler Wucht verwandelt, verwundert da kaum und berührt in der Komposition dieser 100 Konzertminuten doch tief. Das liegt zum einen daran, dass sich Shinoda in den Zwischentönen auf bemerkenswerte Art und Weise selbst entblößt, um seinen Anhängern tiefe Einblicke in eine Seele zu gewähren, die ebenso wie sie litt und verzweifelte. Auf der anderen Seite, weil es nicht die Agonie ist, die sich als Nachhall der Niederlage („Watching As I Fall“) potenziert, sondern ein kraftvoller Weg hin zu einer Zukunft gewiesen wird, dessen Verwirklichung nur eine Frage der Zeit bleibt („Roads Untravelled“) - komme, was wolle.

Unterschiedliche Stile verflochten

So sind es gefühlvolle Melancholie („Where You Go“) und wilder Aufbruch („Over Again“), die zu einem Geflecht aus Hip Hop, Ambient und Metal werden - und die Menge feiert. Denn noch wissen zwar weder Shinoda noch tausende von Fans in Offenbach, ob und wie es mit „Linkin Park“ weitergehen wird. Doch genau deswegen ist es so wohltuend, einen stimmlich immer stärkeren Shinoda im Stroboskoplicht als brillierenden Multiinstrumentalisten zu erleben. Zu „Numb“ holt er sich die Gitarristin Josie auf die Bühne, um zwischen Fakt („Kenji“) und Fiktion („Ghosts“) gekonnt ein Exempel dieses einen präsenten Augenblicks zu statuieren.

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