Kultur

Geburtstag Haruki Murakami wird heute 70 Jahre alt

„Ein ganz normaler Kerl“

Er ist noch immer ein Star. Zu den zahllosen Fans von Haruki Murakami, Japans weltberühmtem Bestseller-Autor, zählen sogar Nobelpreisträger wie der Stammzellenforscher Shinya Yamanaka. Auch Murakami selbst wird seit vielen Jahren als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt. Kurz vor seinem 70. Geburtstag am heutigen Samstag hatte er sogar gute Chancen auf einen Anruf aus Stockholm gehabt. Allerdings nicht von der Nobeljury, sondern von der „Neuen Akademie“, einem Zusammenschluss schwedischer Kulturschaffender, die im vergangenen Oktober einen alternativen Literaturpreis vergab.

Auf deren Shortlist stand auch Murakami. Doch der Japaner lehnte dankend ab. Es sei zwar eine große Ehre, doch er wolle sich lieber aufs Schreiben konzentrieren, weitab aller medialer Aufmerksamkeit, teilte er der Jury mit. Ob er sich auch nach all diesen vielen Jahren, in denen er immer wieder hoch gehandelt wurde, vielleicht insgeheim doch noch Chancen auf einen echten Nobelpreis ausrechnet? Man weiß es nicht. Untätig ist er jedenfalls nicht, und Murakami weiß um seine Popularität und Bedeutung für die Welt der Literatur.

Murakamis Werke wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt und zum Teil als Filme oder als Bühnenstücke adaptiert. Es sind einzigartige Welten, die der Japaner erschafft. Voller stoischer, merkwürdiger Charaktere, übernatürlicher Ereignisse und innerer Abgründe. Sie handeln von Menschen, die sich aus der gleichförmigen Masse als Individualisten herausheben, beschreiben aber auch ihr Scheitern und wecken dennoch Sympathien für sie.

Seinen Erfolg in Europa und Amerika erklären sich Fachleute unter anderem mit der westlichen Orientierung Murakamis, die den Lesern im Westen den Zugang zu seinen Werken erleichtere. Sein jüngster Roman „Die Ermordung des Commendatore“ erschien 2017 und wurde ebenfalls zum Bestseller. Doch ungeachtet all seiner Erfolge hält sich der Japaner, der ein Fan von Baseball ist und auch für seine große Leidenschaft als Läufer berühmt ist, „für einen ganz normalen Kerl“.

Kurz vor seinem 70. Geburtstag vermachte er seiner Alma Mater Manuskripte seiner Bücher und Übersetzungen. dpa