Kultur

Hafensommer „Istanbul Night“ heizte den Besuchern im Würzburger Alten Hafen richtig ein

Ein Abend, der in die Beine geht

Weltmusik an den Main bringt die „Istanbul Night“ beim Würzburger Hafensommer. Und sie heizt den Zuschauern so richtig ein. Gegen die leichte Abkühlung von außen wird mächtig etwas getan.

Es ist ein Abend, der in die Beine geht. Und auch in die Arme. Dem Rhythmus von BaBa ZuLa kann sich kaum einer auf der Hafentreppe entziehen. Die Zuschauer tanzen, wippen mit, lassen sich anstecken von der Musik.

Die vier Musiker von BaBa ZuLa kommen fast ganz ohne Worte aus. Ansagen gibt es nur wenige, aber die vermisst man auch nicht. Wenn Periklis Tsoukalas mit der Oud, Ümit Adakale (Percussion), Osman Murat Ertel (Saz, Gesang) und Mehmet Levent Akman (Electric Sounds) auf der Bühne stehen, spürt man die Symbiose von Moderne und Tradition des Orients.

Fatih Akim hat der Gruppe mit seinem Film „Crossing the Bridge - the Sound of Istanbul“ bereits vor über zehn Jahren ein kleines Denkmal gesetzt. Und dieser Geist der modernen progressiven türkischen Musik, die sich nicht in irgendwelche Schranken zwängen lassen will, ist auch in Würzburg deutlich zu spüren. Hier vereinen sich türkischer Gispy-Sound mit anatolischer Volkmusik und Elementen des Rock zu einem grandiosen Musikkunstwerk, das einfach Laune macht. Die Verbindung zu den Zuschauern ist schon nach wenigen Tönen da. Das Oud-Spiel von Tsoukalas auf dem wackeligen Biergartenstuhl spornt die Fans genauso an, wie das Darbuka-Solo von Adakale.Wenn die Musiker dann die Bühne verlassen und sich unters Publikum mischen, mit Trommel, Oud und Saz hautnah vor einem spielen, wird der Rhythmus sofort aufgesogen und in alle Poren verteilt.

Ein Klanguniversum der Weltmusik schaffen nicht nur BaBa ZuLa, sondern auch zuvor schon Gaye Su Akyol. Die junge Türkin und ihre Band verzaubern als Gesamtkunstwerk, mit frecher Musik und einer besonderen Optik. In schwarzen Kutten erobert die Band um Gaye Su Akyol die Bühne, während die Istanbulerin in Silber und Schwarz erscheint, mit hochhackigen Overknees und einem Fledermausumhang. Liebe, Frieden und Rock’n’Roll ist ihre musikalische Botschaft, die sie dem begeisterten Publikum auf Türkisch und Englisch zuruft. Und nicht nur einmal wird sie textsicher von den vielen Zuschauern unterstützt. Die Singer-Songwriterin hat ihren ganz eigenen Stil, präsentiert türkische Volksmusik in einem rockigen Sound, mixt lebensfrohe Balladen mit Surf-Rock und Punk.

Das dreistündige Doppelkonzert bringt so einen Hauch Orient in die Mainmetropole, über alle musikalischen Grenzen hinweg. Klänge, die es in Würzburg eher selten zu hören gibt und die sofort unter die Haut gehen.

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