Kultur

Comedy Torsten Sträter räsoniert zweimal im Capitol

Die Welt am eigenen Ich gespiegelt

Archivartikel

Knapp ist die Diktion, schnell sind die Ketten seiner Assoziationen geknüpft. „Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“ nennt Torsten Sträter (Bild) sein Programm, mit dem er im Capitol Mannheim an zwei ausverkauften Abenden zum Ergötzen seiner Anhänger punktet und dabei auch jene überzeugt, die ihm ob eher eindimensionaler Fernsehauftritte skeptisch begegnen. Denn was über die Glotze mit Kurzauftritten etwa bei Dieter Nuhr nur ausschnittartig den Sträter erleben lässt, rundet sich einen kompletten Abend lang zum Ganzen.

Der Komödiant räsoniert über dieses und jenes, kommt vom Hundertsten ins Tausendste und spiegelt die Welt an seinem Ich, an seiner Sozialisation, dem Äußeren und eigener Befindlichkeit bis hin zur Depression. „In der Art so“, wie sein „Oppa“ zu sagen pflegte und dabei eine komplette Weltsicht auf den Punkt brachte, auch wenn schwer zu ergründen war, was er damit meinte.

Auch Torsten Sträter neigt zu verschwurbelten Querverweisen, doch ist es meist sehr vergnüglich, denen nachzuspüren. Etwa, wenn er die Regierungsform der Kanzlerin mit „stabiler Seitenlage“ umschreibt. Was wohl heißen soll: Es tut sich gar nichts, das Kabinett dümpelt vor sich hin.

Natürlich ist der Mann mit der charakteristischen Mütze, der schon mehrere Poetry Slams gewann und laut Selbstaussage „immer ein guter Verkäufer“ war, gedankenschnell mit hintergründigen Pointen. Er wechselt zwischen Klimaschutz und Kaffee-Bestellung („Nein, die Maschine ist schon sauber“), Fastenkur und massiver Flatulenz, die sogar einen Exorzisten aus Rom herbeiruft sowie kleinen, jedoch erhellenden Beobachtungen. Ja, wirklich, was macht man denn mit einem Thermomix? Auch die Besitzer im Publikum wissen darauf nur karge Antworten.

Origineller Erzähler

Torsten Sträter ist auch ein origineller Geschichten-Erzähler. Seine Erfahrungen mit dem nur begrenzt tauglichen Elektro-Auto auf der Ferieninsel Mallorca sind glaubhaft; seine Phrasen-Sammelwut erhellt die Paradoxien des Alltags und manche Unverbindlichkeit des Seins: „Hatten Sie eine gute Anreise?“ Sträter hatte, war pünktlich und das Publikum ist auch glücklich. (Bild: dpa)