Kultur

Ludwigsburger Schlossfestspiele Rebecca Carrington und Colin Brown überzeugen in „Turnadot“ mit britischem Humor

„Die erste und kleinste Brexit-Operette“

Mit einer Auftragsarbeit und so mit einer Uraufführung warten die Ludwigsburger Schlossfestspiele im Ludwigsburger Schlosstheater auf. „Turnadot“ heißt „Die erste und kleinste Brexit-Operette der Welt in zwei Akten für zwei Schauspieler und ein Cello“, das Rebecca Carrington (Violoncello & mehr) und ihr Ehemann Colin Brown (Gesang & mehr) präsentieren.

Damit ist schon einiges darüber gesagt, was einen erwartet. Zum Auftakt entschuldigt der Festspielleiter Thomas Wördehoff das Ensemble, das auf einem englischen Flughafen festgehalten wurde. Doch zum Glück steht ja nicht Diacomo Puccinis aufwendige Oper „Turandot“ auf dem Programm, sondern ein kleineres Stück mit ähnlichem Titel, nämlich „Turnadot“, so dass auch zwei Künstler ausreichen, um das Geplante in Szene zu setzen. So witzig diese Einführung ist, so witzig geht es weiter, mit englischem Humor, zuweilen auch etwas langatmig.

Aber „das Musikcomedy-Duo Carrington-Brown ist in der Vielseitigkeit seiner Parodien kaum zu übertreffen“, wie man im Programmheft nachlesen kann. Und sie, die klassisch ausgebildete Musikerin mit Gesangs- und Cellostudium, und er, Schauspieler, Sänger, Synchronsprecher und Dudelsackspieler, halten denn auch, was sie versprechen. Das Märchen „Turandot“ ist nicht viel mehr als Aufhänger auf „Turnadot“. Da geht es nicht zuletzt auch um den Brexit und seine Folgen. Traten doch, wenn man den Personenzettel zur Hand nimmt, nicht wenige sogenannte „Brexiteer“ auf, dazu Personen mit Namen wie etwa Tahina Hay, Simon Garage oder Cravid Dameron, hinter denen sich britische Politiker verbergen.

Doch Carrington-Brown begnügen sich nicht damit, nur Stellung zum Brexit zu beziehen, vielmehr heißt es auch einmal: „Es geht um den Mist, der überall passiert“ – und das ist dann der kabarettistische Moment der Darbietung. Sie reisen daneben musikalisch und literarisch um die Welt. An Jacques Offenbach – „er war ein genialer Cellist“, wie die Cellistin Rebecca Carrington verkündet – erinnert das Duo. Dann erklingen Wiener Walzer. Franz Lehár ist mit dem Lied „Dein ist mein ganzes Herz“ vertreten. Paris, der Stadt der Liebe, wird Reverenz erwiesen. Doch da kommen dann auch gleich die „gelben Westen“ ins Gespräch. Im Zug geht es gen Osten, nach Moskau, und dort geht es dann, wie im gesamten Programm, vom Hundertsten ins Tausendste wild durcheinander. Ist doch nacheinander von Dostojewskij, Tolstoi, Strawinsky, Balalaika und Wodka die Rede. Und auch ein Abstecher nach Indien, in Erinnerung an das britische Empire, darf nicht fehlen. Die musikalische Seite ist vielgestaltig und reicht vom Kunstgesang bis zur sogenannten Katzenmusik.

Das Ganze ist sozusagen „very british“, auch was die deutsch-englische Moderation des Duos und vor allem den speziellen Humor von „Turnadot“ betrifft, der aber auch in Deutschland ankommt, wie die Publikumsreaktion bei der Uraufführung in Ludwigsburg beweist.