Kultur

Mainfranken Theater Würzburg Oper „King Arthur“ aufgeführt / Gelungene Mischung von Schauspiel, Tanz und Musik

Die Aufführung wird zum Genuss

Nur kurz währte die Hochblüte des englischen Musiktheaters zu Lebzeiten Henry Purcells, dessen im Queen’s Theatre in London 1691 uraufgeführte Semi-Oper „King Arthur“ jetzt in einer Inszenierung von Dominik von Gunten am Mainfranken Theater Würzburg wieder zum Leben erweckt wurde. Dank der geschickten Verknüpfung von Schauspiel, Oper und Tanz kommt dieser Vorläufer der heute so populären Musicals in Würzburg bestens an.

Wie gut sich die drei Sparten Ballett, Musiktheater und Schauspiel ergänzen, verdeutlicht diese vom Choreografen Kevin O’Day als Co-Regisseur begleitete Aufführung in allen fünf Akten.

Glänzender Regieeinfall

Ein glänzender Regieeinfall ist die Dreifachbesetzung des Luftgeistes Philidel mit Katherina Nakui (Tanz), Julia Baukus (Schauspiel) und Akiho Tsujii (Musiktheater). Die junge Sopranistin füllt mühelos noch die Gesangsrollen des Cupido und der Venus aus. Erst unterstützt der Luftgeist den Sachsenkönig Oswald, um dann vom Zauberer Merlin auf die Seite der Briten mit König Artus gezogen zu werden. So können die drei kecken Grazien König Artus und seine Krieger aus dem Moor retten, in das diese vom Geist Grimbald gelockt worden sind.

Nach dem Libretto von John Dryden geht es dem christlichen König Artus um die Einigung Britanniens und die Verteidigung des Landes gegen die eindringenden heidnischen Sachsen. Doch es sind nicht nur politische und religiöse Konflikte, die beide Herrscher umtreiben. Beide begehren die schöne und blinde Prinzessin Emmeline, deren Herz in Liebe zu König Artus entbrannt ist. Um seine dann vom Sachsenkönig Oswald entführte Braut zu befreien, reicht das kriegerische Geschick von Artus allein nicht mehr aus. Während den Sachsenkönig der Magier Osmond, der Geist Grimbald und zunächst der Luftgeist Philidel unterstützen, wird König Artus vom weisen Zauberer Merlin geschützt.

Großer Auftritt

Die Aufführung beginnt mit einem heftigen Schlag, mit dem das Schwert Excalibur vom Himmel fällt, doch von keinem Recken aufgehoben werden kann, bis es Cedric von Borries als König Artus mühelos gelingt. Es folgt der erste große Auftritt von Georg Zeies als dem aus einem wüsten Kleiderhaufen entsteigenden Zauberer Merlin, der alle Fäden in der Hand hält, und zum Vergnügen des Publikums keine Zweifel über die Rollenverteilung des Stücks aufkommen lässt.

Wie von unsichtbarer Hand gelenkt, greift jeder Akteur zu seinem Kostüm. Selbst den Taktstock für die Kapellmeisterin Marie Jacquot überreicht Merlin höchstpersönlich. Dass die Dirigentin ihr nicht zu üppig besetztes Barockorchester auf einem nur halb abgesenkten Graben dirigiert, trägt zum musikalischen Genuss dieser Aufführung erheblich bei.

Das Bühnenbild von Philipp Nicolai nutzt alle Möglichkeiten der Bühnentechnik mit Drehbühne, um die Magie eines verzauberten Waldes mit vielen Trugbildern heraufzubeschwören. Bariton Daniel Fiolka beweist als Grimbald seine schauspielerischen Qualitäten und vor allem Mut zur Hässlichkeit. Igor Tsarkow lässt als Genius der Kälte ungemein frösteln. Opern- und Extrachor haben ihre großen Auftritte bei Jubel- und Trinkszenen und der lautmalerischen Frost-Arie.

Zwei große Szenen von Johanna Meinhard als binde Emmeline rücken in einer ansonsten von Männern dominierten Welt die Frauen in den Fokus. Merlin hat Philidel – in dreifacher Ausfertigung – ein Wundermittel zukommen lassen, das Emmeline von ihrer Blindheit befreit. Packend gelingt die Szene, in der sie erstmals ihrem Geliebten sehend begegnet. Schließlich ist es Emmeline, die den mit nacktem Oberkörper ausgetragenen Zweikampf zwischen Oswald, verkörpert von Alexander Darkow, und König Artus entschlossen beendet. So mündet das Kräftemessen mit Merlins Friedensbotschaft, woraufhin alle – von bösen Geistern befreit – in das Loblied auf Britannien einstimmen. Merlin ist es mit einem Blick in die Zukunft vorbehalten, den Schlusspunkt zum Happy End mit einer aktuellen Mahnung an die innerlich zerstrittenen Briten zu setzen.