Kultur

Comedy Sven Hieronymus in der Klapsmühl’

Der Alltag in aberwitzigen Geschichten

Bei Hieronymus mögen die einen an den Kirchenvater, andere an den Renaissance-Maler denken. Mit dem heiligen Namen gibt es auch noch den „Rocker vom Hocker“: Als Sven Hieronymus in der vollen Mannheimer Klapsmühl‘ Vorpremiere feiert, da wird er von seinen Fans nicht nur frenetisch empfangen, sondern auch mit begeistertem Applaus entlassen. Und das Ganze nicht nur „Als ob“ – auch wenn das neue Solprogramm des „Rhoihesse“ so heißt.

Die Familie ist diesmal das Thema des 50-Jährigen: Und dazu gehören der stinkfaule Nesthocker-Sohn, der mehr Schläuche in der Pfeife wie Punkte im Abi hat, die Tochter, die gerade pannenträchtig auszieht, aber weiterhin auf Papas Kosten leben will, nicht zu vergessen seine Angetraute, die sich die leibliche Optimierung des Gatten in den Kopf gesetzt hat. Ein Stoff, der für Brüller, Kalauer und Schenkelklopfer geradezu geschaffen ist. Und darauf versteht sich der studierte Sozialpädagoge mit Übertreibung als Markenzeichen. Treuherzig behauptet der Comedian mit strähniger Engelsmähne und wandlungsfähiger Schnute, dass er nichts erfindet, sondern einfach Wahres erzählt – was aber niemand glauben wolle.

Effektvoll überzeichnet

Sein Erfolg liegt darin, dass sich in all den grotesk überzogenen Geschichten ein Kondensat bunter Alltagserfahrungen spiegelt: Ob nun eine Schummelsoftware des Hightech-Fitnessbandes die Diktatur der Körpertransformation mildert, „glückliche Cola-Kühe“ von wunderbar ungesunder Ernährung künden oder von jener Alkohol-Uhr geschwärmt wird, die in der süffigen Tagesbilanz noch ausstehendes Weißbier anmahnt. Der „Depp“ der Familie steht zwar allein auf der Bühne, aber dank Handy sind „seine Lieben“ allzeit präsent – insbesondere die Tochter samt ihrer selfiebegeisterten „Hipster-Kasper“.

Der Leidgeprüfte hat gleichwohl Grund zur Freude: Andere müssten für eine Therapiesitzung zahlen. Hingegen schenke ihm sein Publikum nicht nur Gehör, sondern zahle obendrein dafür. Irgendwie muss ja Geld für den „Alleinschaffer“ mit anspruchsvollen Kindern und verschuldetem Haus reinkommen!