Kultur

Freilichtspiele Schwäbisch Hall Dirk Schäfer präsentiert eine Hommage an Jacques Brel

Chansons bestens interpretiert und vorgetragen

Zum Auftakt der Intendanz von Christian Doll im Jahr 2017 stellte er

sich in der Uraufführung von Andreas Gäßlers „Brenz 1548“ in der Titelrolle als Schauspieler vor. Im selben Jahr war er der Peppone in der ebenfalls von Christian Doll inszenierten Komödie „Don Camillo und Peppone“ von Gerold Theobald – eine Rolle, die er auch in diesem Jahr wieder verkörperte. Ein Jahr später stand er als Werner Stauffacher in Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“, unter der Regie des Intendanten, auf der Großen Treppe vor St. Michael In Schwäbisch Hall. Und jetzt kehrte er als Chansonnier in der „Alles anders!“-Spielzeit 2020 wieder dorthin zurück, nachdem er im vorigen Jahr im Neuen Globe als Herzog Orsino in der von Christian Doll inszenierten Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ zu sehen war.

Und dort hätte auch Dirk Schäfers Chanson-Abend stattfinden sollen. Doch durch die Corona-Pandemie bedingt, kam jetzt alles anders.

Zusammen mit drei Musikern – Karsten Schnack (Akkordeon), Wolfram Nerlich (Kontrabass) und Ferdinand von Seebach (Klavier, Posaune, Gitarre) – agierte Dirk Schäfer, der am Mozarteum in Salzburg Schauspiel studiert hat, auf der Treppe vor St. Michael bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall.

Auf den 54 Stufen waren lediglich vier graue Podeste platziert, drei davon für die Musiker, außerdem stand dort ein Kleiderständer, der von Dirk Schäfer genutzt wurde. Doch das vierte Podest genügte ihm nicht für seine Aktionen. Vielmehr wurde die gesamte, steile, in Kreissegmentform vom Marktplatz zur Kirche hinauf-, aber auch wieder herunterführende Treppe zum Schauplatz. Dort stand er, zuweilen auf dem freien Podest, auf dem er aber auch kniete oder lag. Dort lehnte er sich an ein anderes Podest an. Dort bewegte er sich, teils langsam, teils schnell von rechts nach links und raste von unten nach oben. Er zog schon einmal einen Schuh und einen Socken sowie sein Jackett und sein Hemd aus und wieder an.

Ständig in Aktion

So war er, getreu dem Programmtitel „Doch davon nicht genug“, ständig in Aktion. Dabei kam ihm zugute, dass Jacques Brel, an den sein Auftritt eine Hommage war, kein Chansonnier wie viele andere war, denen ein Mikrofon genügte, sondern einer, der seine Chansons nicht nur sang, sondern sie spielte.

Dem 1929 in Belgien geborenen, 1978 in Frankreich gestorbenen, französisch singenden Jacques Romain Georges Brel, der bereits 1967 auf der Höhe seiner Karriere von der Bühne abtrat, war der rund eineinhalbstündige, pausenlose Abend gewidmet. Dessen Auftritte waren durch einen expressiven, dramatischen Vortrag gekennzeichnet – und dem entsprachen nun auch die Interpretationen seiner Werke durch Dirk Schäfer, der die thematisch von Liebe, Leid und Tod handelnden, manchmal auch gesellschaftskritischen Chansons, teils in der Originalsprache,teils in deutscher, häufig von ihm selbst besorgter Übersetzung, den Intentionen Jacques Brels entsprechend, zum Besten gab.

Nicht von ungefähr fühlte sich Jacques Brel dem Don Quijote verbunden, dem Träumer, Narren und Rebellen, einer Figur, die er in dem von ihm ins Französische übertragenen amerikanischen Musical „Man of La Mancha“ von Mitch Leigh, Dale Wasserman und Joe Darion bei Aufführungen in Brüssel und Paris selbst spielte. Waren seine frühen Chansons noch durch lyrische Stilelemente geprägt, so dominierten in den späteren eher die dramatischen. Die Breite im Ausdruck der Werke, deren Texte Jacques Brel selbst schrieb, während er, der weder Noten lesen noch Partituren ausarbeiten konnte, hinsichtlich der Musik auf fremde Hilfe angewiesen war, brachte Dirk Schäfer in jeder Beziehung gekonnt zum Vortrag. Abwechselnd, der jeweiligen Vorlage angemessen, leise und laut, einfühlsam und brüllend, fast grölend, getragen und aufgeregt, wenn erforderlich auch besinnlich interpretierte er Bekanntes, wie „Madeleine“, „Amsterdam“, „Jojo“, geschrieben aus Trauer um Jacques Brels verstorbenen Freund Jojo Pasquier, und „Ne me quitte pas“, aber auch vieles weniger Bekanntes – doch „davon nicht genug“, so dass das begeisterte Publikum Zugaben erzwang, die ihm gewährt wurden.

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