Kultur

Konzert Kurpfälzisches Kammerorchester gibt vor der Südkorea-Tournee noch ein Heimspiel im Rittersaal des Mannheimer Schlosses

Beherzter Auftritt vor der großen Reise

Archivartikel

Es ist schon beglückend, wenn die junge Violinistin Dami Kim ihrer Guadagnini-Geige Klänge wie am Silberfaden entlockt und Mozarts A-Dur-Violinkonzert (KV 219) mit Grazie und Substanz absolviert. Ihre Technik ist geschliffen, wenn gerade die Kadenz im Kopfsatz glänzt und glitzert, oder wenn sie dem Andante beseelte Züge verleiht. Und im Finale mit der eingestreuten Janitscharenmusik wird sie Mozarts kompositorischer Phantasie gerecht, weil sie musikalisch souverän dem Notentext ein individuelles Gepräge gibt.

Im Rittersaal des Mannheimer Schlosses wurde die große Begabung vom Kurpfälzischen Kammerorchester (KKO) begleitet, beim Konzert vor der Südkorea-Tournee des Klangkörpers (wie berichtet). Ihr Dirigent Adriel Kim setzt auch in diesem Instrumentalkonzert auf prägnante Klangentwicklung, wobei allerdings subtilere Schattierungen gelegentlich wünschenswert gewesen wären, denn ab und zu wurde der Solopart überdeckt.

Eine Woche in Asien

Eine Woche lang geht das Kurpfälzische Kammerorchester auf Südkorea-Tournee, das ehrt „unseren“ hier verankerten Klangkörper. Der Auftritt zur Einstimmung auf die Konzertreise umfasste auch Komponisten der Mannheimer Schule. Zum Beispiel die „Sinfonia à quattro D-Dur“ von Johann Stamitz, deren Presto-Ecksätze Adriel Kim forsch und sehr akzentuiert angehen ließ, als ob die Lust an kleinen Sforzati dem Presto noch zusätzliche Nuancen „con brio“ beimischen wollten. Ein wirklich beherzter Zugriff, dem die Streicher willig und engagiert folgten.

Ein spannendes Leben und spannende Musik: Franz Ignaz Beck (1734-1809) stammte zwar aus Mannheim, studierte dann aber in Italien, wohin er wegen irgendeiner Duell-Geschichte entflohen war; den Großteil seines Musikerlebens aber verbrachte er in Frankreich, wo er es zu großem Ansehen brachte.

Warum? Die Hörer im Rittersaal konnten das nachvollziehen, denn die viersätzige, 1762 in Paris veröffentlichte „Sinfonia g-Moll op. 3/3“ besticht durch selbstbewusste Valeurs, die verschiedene Einflüsse eines europäischen Kulturlebens widerspiegeln. Überraschende Wendungen wechseln mit hintergründiger Nachdenklichkeit im zweiten Satz, das Menuett ist in seinem bissfesten Aufriss weit mehr als graziöser Tanz, und aus dem finalen Presto machten Dirigent und Orchester regelrechte Powermusik.

Eine spannende Begegnung mit einem hoch interessanten Komponisten, der in Bordeaux, wo er das Opernhaus leitete, starb und für eine Epoche steht, in der künstlerische Abschottung ein Fremdwort war.

Der Ausklang gelingt mit Mozart, und seiner zauberischen A-Dur-Sinfonie (KV 201), deren Einstiegsmotiv einen geradezu süchtig machen kann und das dann vom Orchester doch recht sensibel aufgestellt wurde. Es changiert zwischen leiser Sehnsucht und Aufbruchstimmung, wie die ganze Sinfonie, ein Meisterwerk des jungen Mozart, entspannt und hinreißend schön daherkommt. Sehr viel und herzlicher Beifall im gut besuchten Rittersaal sowie noch ein bisschen Mozart als Zugabe, und: viel Glück auf der Asienreise.