Kommentar

Karl Doemens wirft US-Präsident Donald Trump vor, wegen seiner privaten Finanzen einen Verfassungskonflikt zu riskieren

Zynisch

Archivartikel

Der Mann betreibt Hotels und Golfplätze in der ganzen Welt. Er hat einem FBI-Chef gedroht, bei der Untersuchung seiner Vermögensverhältnisse werde „eine rote Linie“ überschritten. Völlig unüblich für die Immobilienbranche bezahlt er seine Investitionen nach eigenem Bekunden neuerdings in bar. Nebenbei ist Donald Trump auch noch Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Es gibt gute Gründe, die einzigartige Verquickung von privaten und öffentlichen Interessen im Weißen Haus unter die Lupe zu nehmen, wie dies die Demokraten im Kongress nun tun. Noch besser wäre es gewesen, Trump selber hätte bei seinem Amtsantritt für Transparenz gesorgt. Doch anders als seine Vorgänger weigerte er sich, seine Steuererklärungen offenzulegen, und hat auch die Beteiligungen an seinem Firmenimperium behalten.

Trumps Geheimniskrämerei nährt den Verdacht, dass mit seinem Vermögen etwas nicht stimmt. Problematisch scheint, dass Trump über seine Bauprojekte in Moskau während des Wahlkampfs gelogen hat. Und mehr als irritierend wäre, wenn Trump-Geschäfte bei der Deutschen Bank 2016/17 tatsächlich Geldwäsche-Warnungen ausgelöst haben, wie dies die „New York Times“ berichtet..

Dass ein US-Bundesrichter dem Parlament nun ein bisschen Einblick in Trumps Finanzunterlagen gewähren will, ist ein hoffnungsvolles Zeichen. Der Machtkampf des Präsidenten mit dem Kongress ist damit freilich nicht entschieden. Trumps Argument, er müsse das Amt vor Übergriffen der Abgeordneten schützen, ist zynisch. Tatsächlich ist das Amt längst zur Beute des Milliardärs geworden. Für deren Verteidigung nimmt er einen Verfassungskonflikt in Kauf.

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