Kommentar

Zu spät

Archivartikel

Thomas Spang bezweifelt, dass US-Präsident Donald Trump mit seiner Warnung an Russland viel erreicht

Eine Twitter-Warnung des US-Präsidenten ersetzt leider keine durchdachte Strategie für Syrien. Wie in den zurückliegenden sieben Jahren des blutigen Bürgerkriegs bleibt mit Blick auf die bevorstehende Entscheidungsschlacht um Idlib zu befürchten, dass am Ende nicht viel passiert, wenn das Regime Baschar al-Assads zusammen mit Russen und Iranern Fakten schafft.

Es lässt sich endlos darüber streiten, ob ein Eingreifen der USA wirklich etwas besser gemacht hätte. Barack Obama zweifelte daran, weil es in diesem Konflikt weder einen klaren Frontverlauf gibt noch ein erkennbares Freund-Feind-Schema. Donald Trump übte sich bisher auch nicht in viel mehr als Symbol-Politik, weil er nur wenige nationale Interessen auf dem Spiel stehen sieht.

Moskau dürfte sich von Trumps Warnung zudem nicht sonderlich beeindrucken lassen, weil es seine Drohungen seit der „Operation Schlagloch“ nicht sehr ernst nimmt. Damals hatten die US-Amerikaner die Russen vor dem Bombardement einer Luftwaffenbasis in Syrien als Vergeltung eines Chemiewaffen-Einsatzes des Regimes gewarnt.

Die Schäden der „Tomahawk“-Raketen waren so bescheiden, dass kurz darauf wieder syrische Kampfflugzeuge von der Startbahn abheben konnten. Selbst wenn es Trump diesmal ernst meinte, käme die Kehrtwende zu spät. Die USA haben in dem Bürgerkriegsland nicht mehr viel zu gewinnen. Idlib ist die letzte Provinz in Rebellenhand und wird zu 60 Prozent von Kämpfern einer Al-Kaida-nahen Organisation kontrolliert.

Ungeachtet dessen muss jeder Versuch willkommen geheißen werden, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Ein Exodus Hunderttausender Zivilisten in die Türkei verstärkte auch den Druck auf Europa. Vor allem aber geht es um das Schicksal der eingeschlossenen Menschen, die zwischen alle Fronten zu geraten drohen. Hätte Trump sich nicht mit Iranern und Türken überworfen, befänden sich die USA vielleicht in einer besseren Position, etwas zu erreichen. So kann wider alle Anzeichen vor Ort nur noch gehofft werden, dass sich das Schlimmste irgendwie verhindern lässt.

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