Kommentar

Zetsches Altlasten

Frank Schumann zu den neuen Vorwürfen gegen Daimler

In wenigen Wochen nimmt Daimler-Chef Dieter Zetsche seinen Abschied. Bislang gilt seine seit 2006 währende Amtszeit überwiegend als Rekordfahrt – der Vorstandsvorsitzende hat regelmäßig Bestmarken bei Absatz, Umsatz und Gewinn geliefert. Doch Zetsche steht auch für drastische Verfehlungen des Konzerns. Sollten sich die am Wochenende publik gewordenen Vorwürfe bestätigen, hätte Daimler am Kraftfahrtbundesamt vorbei versucht, manipulierte Software in betroffenen Dieselfahrzeugen zu löschen. Dies wäre möglicherweise eine Straftat.

Zudem hat die EU-Kommission am Wochenende ihre Einschätzung bekräftigt, die Kartellvorwürfe gegen große deutsche Autohersteller – inklusive Daimler – seien ein „sehr ernster Fall“. Vordergründig können die Stuttgarter eine drohende Milliardenstrafe abwenden, weil sie im Fall möglicher Absprachen bei der Abgasreinigung als erstes Unternehmen Selbstanzeige gestellt haben. Umwelt und Kunden hat das Kartell dennoch geschädigt. Das Risiko erscheint groß, dass Dieter Zetsche seinem Nachfolger Ola Källenius nicht nur ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen hinterlässt – sondern auch erhebliche Altlasten.