Kommentar

Wir wollen Aufklärung

Stefan M. Dettlinger zur Geheimniskrämerei um Wagners Krankheit

Verwundert reiben wir uns die Augen und staunen: Katharina Wagner – seit April schwer erkrankt, dann im Koma (?), dann weiter schwer erkrankt, dann auf dem Weg der Besserung, dann in Reha – ist zur Gänze genesen und möchte ab Montag wieder „mit voller Kraft“ an den Festspielen der kommenden Jahre planen.

Was hatte Wagner? Die „Bunte“ spekulierte schon früh auf Krebs, andere sprachen hinter vorgehaltener Hand von multiplem Organversagen. Doch niemand weiß es und schreibt etwas darüber. Anfragen ans Pressebüro der Bayreuther Festspiele blieben nicht nur ergebnislos, sondern ganz ohne Antwort. Bislang.

Richard Wagners Urenkelin trat 2008 in Bayreuth an mit dem Ziel, Licht in die Vergangenheit zu bringen und vor allem die Geschichte der Festspiele aufzuarbeiten – darunter das dunkle Kapitel während des Nationalsozialismus, als die Wagners eine recht enge Freundschaft zu Adolf Hitler pflegten.

Sollte Wagner nun nicht auch Licht in die Gegenwart bringen und die Öffentlichkeit wissen lassen, was sie seit April auskurierte? Sollte sie nicht allen Spekulationen zuvorkommen, die notgedrungen um schlimmste psychische und physische Erkrankungen kreisen? Sie täte gut daran – vor allem, weil die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende und spätestens bei der Austragung der Wagnerfestspiele 2021 alles doch noch bekannt wird, sehr groß ist.

Bis dahin muss man froh sein, dass es Wagner offenbar wieder gut geht. Mit einer kranken ergo abwesenden Festivalspitze ist in Zeiten von Corona und vor allem sozialer Spaltung und Diversifizierung nichts zu gewinnen. Die Festspiele waren bei ihr in ganz guten Händen. Sollte sie langfristig nicht „mit voller Kraft“ weitermachen können, müssen andere Lösungen gedacht werden für die Mutter aller Festspiele. Und zwar schnell.

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