Kommentar

Wir haben es in der Hand

Archivartikel

Stefanie Ball über den Umgang mit Corona: AHA – das ist die praktische Formel für den Privatgebrauch.  Besser, wir gewöhnen uns an die neue Normalität.

AHA – das ist die Formel, die die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen soll. Abstand halten, Hygienemaßnahmen beachten wie Husten und Niesen in die Armbeuge, Alltagsmaske tragen. Eine praktische Formel für den Privatgebrauch. In vielen Branchen allerdings, Sport, Kultur, Gastronomie, schränkt vor allem das Abstandsgebot den Betrieb von Fußballclubs, Theatern und Restaurants massiv ein. Hier herrscht noch immer der Ausnahmezustand, und den werden kaum alle überstehen.

Dennoch gibt es aktuell keine andere Lösung. Die Hoffnungen ruhen auf der baldigen Zulassung eines Impfstoffes, doch die Weltgesundheitsorganisation hat bereits gewarnt: Die Pandemie wird damit nicht von jetzt auf gleich beendet sein. Dafür reichen die Impfstoffe gar nicht, und ihre Wirksamkeit wird sich in der Praxis erst zeigen müssen. Besser also, wir gewöhnen uns an die neue Normalität.

Dass Jugendliche und junge Erwachsene manchmal etwas sorgloser sind, ist nachvollziehbar. Die Risikobereitschaft ist umso höher, je jünger ein Mensch ist, das ist wissenschaftlich erwiesen. Doch die Folgen des Wagemuts zahlen in einer Pandemie alle, auch die Wagemutigen selbst, wie steigende Infektionszahlen unter jungen Leuten in allen Ländern zeigen.

Verbote schwer kontrollierbar

Ob Alkoholverbote – wie im Mannheimer Ausgehviertel Jungbusch zuletzt an Wochenenden verhängt – helfen, speziell feiernde Jugendliche vor Unvorsichtigkeiten abzuhalten, darüber lässt sich streiten. Auf manchen Plätzen in den Städten mag es dazu beitragen, dass die Situation nachts nicht eskaliert. Zumal Kneipen und Bars nur wenige Plätze bieten können. Die Party verlagert sich automatisch nach draußen, und sei es auch nur, weil Gäste auf Einlass warten.

Verbote haben allerdings allgemein die Nachteile, dass Verstöße von Polizei und Ordnungsdienst kontrolliert werden müssen, sich sowieso nicht alle daran halten, und wer will, trinkt dann eben umso schneller und mehr, bis er nichts mehr bekommt.

Vielleicht setzt man besser auf die Vernunft und die Einsicht, dass es jederzeit auch wieder schlimmer werden könnte, kein kompletter Lockdown zwar, aber mehr Einschränkungen, Masken auf allen öffentlichen Plätzen, nur noch Zusammenkünfte von wenigen Haushalten, weniger Veranstaltungen. Aber, auch das soll gesagt sein: Wir haben die Situation gut im Griff, und vor allem: Wir haben es selbst in der Hand, siehe AHA, dass dies auch so bleibt.

 
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