Kommentar

Wieder eine Lüge?

Marco Pecht warnt vor Desinformation beim Thema Iran durch die USA: Auch der Irakkrieg 2003 beruhte auf völlig konstruierten Szenarien

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht: So sagt es der Volksmund. Manchmal ist an Sprichwörtern Wahres dran – auch oder besonders in der Weltpolitik. Was gerade im Iran und im Irak geschieht, erinnert erschreckend an das Jahr 2003. Damals konstruierte die US-Regierung unter George W. Bush Beweise für chemische Waffen, die der damalige irakische Diktator Saddam Hussein besessen haben soll.

Der ehemalige US-Außenminister Colin Powell präsentierte diese vermeintlichen „Fakten“ im Februar 2003 bei einer UN-Versammlung der Öffentlichkeit. Viele Verbündete waren nicht überzeugt – auch Deutschland nicht. SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein grüner Außenminister Joschka Fischer zeigten Washington die kalte Schulter.

Das Ergebnis der Operation steht in den Geschichtsbüchern: Im März eröffneten die USA und einige Verbündete das Feuer auf Bagdad, Saddam wurde gehängt, die komplette Region destabilisiert, der grausame Siegeszug der Terroristen des Islamischen Staates (IS) begann. Was nicht gefunden wurde, waren Chemiewaffen – die „Beweise“ waren falsch. Und heute? Der unberechenbare US-Präsident Donald Trump kündigt mit dem Iran-Atomabkommen eine diplomatische Meisterleistung der Gegenwart einfach so auf und bringt das Bündnis der westlichen Staaten damit an den Rand eines Krieges.

Jetzt, ganz aktuell, ist von einer erheblichen Bedrohungslage durch iranische Saboteure und aus Teheran gesteuerte Milizen im Irak die Rede. US-Verteidigungsminister Mike Pompeo soll Anfang der Woche in Brüssel Informationen über Sabotageakte aus dem Iran vorgelegt haben – Beweise waren es nicht, sagen Teilnehmer des Treffens. Wer einmal lügt ...

Vorsicht ist angesagt, große Skepsis muss bei den Europäern herrschen gegenüber dem Szenario, das Washington gerade für den Nahen Osten konstruiert. Keine Frage: Der Iran ist gefährlich, ebenso wie das Regime von Saddam Hussein ein menschenverachtendes war. Grund für einen Krieg ist das alles aber längst noch nicht. Die letzte militärische Aktion in dieser Region war der Beginn des IS. Das sollte dem Westen Mahnung genug sein.

 
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