Kommentar

Wichtige Atempause

Archivartikel

Jürgen Berger zur Situation von Borussia Dortmund

Borussia Dortmund ist nach der Länderspielpause der erhoffte Befreiungsschlag gelungen – allerdings nur vom Ergebnis her. Das 1:0 gegen Mönchengladbach war keine spielerische Leistungsexplosion, sondern hatte viel mit Spielglück und bärenstarken Torhüter-Paraden zu tun. Die Kritik am Handbremsen-Fußball von Trainer Lucien Favre bleibt ein Thema, aber zumindest eine wichtige Atempause in der Mentalitätsdebatte hat sich der BVB vor einer schwierigen Woche mit dem Champions-League-Duell mit Inter Mailand und dem Revier-Derby bei Schalke 04 verschafft. Auch wenn die alternativlose Ein-Spiel-Suspendierung von Jadon Sancho sicher noch nachwirken wird.

Diese Borussia will viel mehr. Die Dortmunder setzen darauf, dass der „dreckige“ Heimsieg über die erstarkten Gladbacher der ersehnte Knotenlöser sein wird. Kurios ist, dass die Westfalen trotz der internen Baustellen punktgleich mit den Bayern sind und noch immer alle Chancen auf die Meisterschaft haben.

In München hält die Dauerdebatte um den Trainer nach dem nächsten Wackler an. Neben dem Müller-Problem muss Niko Kovac nach dem Kreuzbandriss von Abwehrchef Niklas Süle ein viel schwierigeres lösen. Diese Unruhe beim Rekordmeister spielt nicht nur dem instabilen BVB in die Karten, sondern auch den unter Julian Nagelsmann noch nach dem Erfolgsrezept suchenden Leipzigern.

Die eine Mannschaft, die es zu schlagen gilt, gibt es derzeit aufgrund der fehlenden Leistungskonstanz des vermeintlichen Top-Trios nicht. Nach acht Spieltagen liegen die ersten neun Mannschaften nur einen Sieg auseinander. Das hat es lange nicht mehr gegeben – und tut dem Spannungsbogen der Bundesliga unheimlich gut.