Kommentar

Weinende Freiheitsstatue

Thomas Spang erwartet, dass die Einwanderungspolitik von US-Präsident Trump qualifizierte Fachkräfte verschreckt

Trumps Amerika macht dicht. Die Müden brauchen sich nicht mehr auf den Weg zu machen. Und die Armen können sich ihre Einreiseanträge ersparen. Selbst für Hightech-Arbeiter wird es eng, wenn sie aus Niedriglohnländern stammen. Wer für eine vierköpfige Familie nicht mindestens 64 000 Dollar an Einkünften im Jahr vorweisen kann, gilt potenziell als „öffentliche Last“.

Wie schon bei den Asylgesetzen versucht der Präsident nun auch bei der Einwanderung, den Kongress zu umgehen, indem er neue Ausführungsbestimmungen zu bestehenden Gesetzen erlässt. Selbst wenn er damit vor den Gerichten scheitert, politisch kann er damit bei seinen Anhängern nur punkten.

Denn die haben Trump wegen seiner Hetze gegen Mexikaner, Muslime und Migranten gewählt. Den USA insgesamt schadet der Rassist im Weißen Haus mit dem Versuch, legale wie illegale Einwanderung um jeden Preis zu begrenzen. Er würgt damit die Innovation und Tatkraft ab, mit der sich die Nation der Einwanderer seit ihrer Gründung immer wieder neu erfunden hat.

Die Freiheitsstatue weint nicht bloß über das moralische Versagen Trumps, sondern auch über die „Amerika First“-Nationalisten, die nicht begreifen, dass sie dabei sind, die Quelle ihres Wohlstands damit zum Versiegen zu bringen. Denn unter diesen Umständen bleiben auch die vielzitierten „Norweger“ fern.

Wissenschaftler, Unternehmer und Kreative haben schon längst die Lust verloren, in die USA zu kommen. Warum auch? Es gibt wahrlich attraktivere Ziele als Trumps engstirniges Amerika.

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