Kommentar

Webers schwere Last

Detlef Drewes über die Wahl von Manfred Weber zum Spitzenkandidaten der europäischen Christdemokraten

Manfred Weber ist eine gute Wahl. Der CSU-Politiker als Frontmann der europäischen Christdemokraten bei der Europawahl – das kann funktionieren. Weber hat das gestern in Helsinki mit einer überzeugenden Rede gezeigt. Aber der Weg bis zur Europawahl wird kein Zuckerschlecken. Das liegt keineswegs nur an Herausforderungen, die in den kommenden Monaten auf die EU zukommen. Auch die Christdemokraten selbst müssen sich erst noch finden.

Mit Angela Merkel geht eine der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Parteienfamilie in wenigen Wochen von Bord. Dass Horst Seehofer ihr folgen wird, ist absehbar. Das Gesicht der europäischen Christdemokraten werden diese Stabwechsel verändern.

Weber steht bereits für diese Erneuerung. Er mag für Kompromisse plädieren. Aber er meint damit deutliche Positionen – genau das, was den Christdemokraten in vielen Fragen fehlte, um sich scharf und deutlich von Nationalisten und Populisten abzugrenzen. Dass dieser Schritt nicht nur notwendig und erfolgversprechend sein, sondern auch schmerzhaft werden könnte, beginnen einige erst langsam zu ahnen.

Wenn die C-Parteien keinen Schaden nehmen wollen, müssen sie sich von jenen Kräften befreien, für die Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit, Menschenrechte und auch Solidarität mit anderen EU-Ländern Fremdworte sind. Gemeint sind vor allem Ungarns Konservative mit ihrem nationalistischen Premier Viktor Orbán.