Kommentar

Wandel mit Beigeschmack

Anke Philipp über das Bauprojekt am Verbindungskanal

 

Industriebrachen - wie sie am Verbindungskanal existieren - waren und sind in vielen Städten Kristallisationspunkte einer urbanen Entwicklung. Gerade die heruntergekommenen, leeren Hüllen vergangener Epochen, wie die Kauffmannmühle eine ist, entfalteten enorme Anziehungskraft. So auch im Jungbusch, wo es nach über zehn Jahren zähen Ringens gelungen ist, den Wandel am Kanal zu gestalten - und zwar so, wie man es sich einst mit dem Projekt "Quartiersentwicklung Jungbusch/Verbindungskanal" überlegt hatte. Der Strukturwandel eröffnete Perspektiven für eine sinnvolle städtebauliche Neuordnung: Kreativwirtschaftzentrum, Musikpark und Popakademie sind Ausdruck der Veränderung, die mit städtischen Mitteln, Geldern des Landes und der EU begonnen wurde und privates Engagement nach sich zog. Die sanierte Mühlen-Architektur dockt da nahtlos an und gibt dem Standort ein charakteristisches Gepräge. Eine Bereicherung, auch weil gut betuchte Wohnungseigentümer bald zum spannungsgeladenen Stadtteil-Mix gehören. Sie werden sich so manche (Party-)Auswüchse vor Ort kaum bieten lassen. Alles prima also? Sicher nicht! So lange im Quartier alteingesessene Bewohner aus den von Privaten gekauften Häusern verdrängt werden, sie sich in ihrem Stadtteil nicht mehr heimisch fühlen, haben nicht alle Grund zum Feiern.

Zum Thema