Kommentar

Wachsende Kluft

Rolf Obertreis über die deutsche Biotech-Branche

In deutschen Universitäten, in der Wissenschaft und in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen schlummert offenbar viel Potenzial. Doch zu wenig davon wird gehoben, klagt die deutsche Biotech-Branche. Risikokapital fehle genauso wie eine staatliche sinnvolle Förderung, Unternehmergeist und die Bereitschaft von Anlegern, in Biotechfirmen über den Kauf von Aktien zu investieren.

Die Klage der Branchenvertreter ist berechtigt. Dies jedenfalls offenbart ein Blick nach Frankreich, in die Schweiz, nach Großbritannien und vor allem in die USA. Dort sind auch im vergangenen Jahr wieder Milliarden in die Branche geflossen, die junge Unternehmen stützen in der Hoffnung, wegweisende Entdeckungen etwa für den Kampf gegen schwerwiegende Krankheiten zu ermöglichen. Vor allem in den USA wird dabei auch einmal hingekommen, dass eine Entwicklung nicht zum Ziel führt und eine Biotechfirma scheitert.

Immerhin wachsen Umsatz und Beschäftigung der Biotechbranche auch in Deutschland – aber eben zu langsam, wie die wachsende Kluft zur ausländischen Konkurrenz belegt. Das wird sich so schnell nicht ändern, auch wenn die Biotech-Branche ein wichtiger Schlüssel zum Kampf gegen Krankheiten und für mehr Nachhaltigkeit sein dürfte. Mehr staatliche Förderung und Steuererleichterungen allein werden nicht reichen. Die Branche kämpft auch mit der Risikoscheu von Investoren und deren – wie etwa im Fall von Versicherungen – strikten Anlagerichtlinien. Und auch die Zurückhaltung der Kleinanleger auf dem Aktienmarkt trifft die Biotech-Branche. Nach wie vor besitzen nur 14 Prozent der Deutschen Aktien oder Aktienfonds.