Kommentar

Von wegen Freiheit

Archivartikel

Hannes Koch über Geräte, die zuviel wissen

Seltsam klingt es, wenn Küchengeräte damit angepriesen werden, dass sie ,,Freiheit“ brächten. Bei Messen wie der IFA in Berlin trifft man ständig auf solch verkrampften Versuche, mehr Produkte zu verkaufen, die kein Mensch braucht – eigentlich. Und eigentlich doch.

Dass neue Bedürfnisse entstehen, die Menschen ihr Leben immer bequemer gestalten wollen, ist eine Konstante der menschlichen Entwicklung. Warum dann nicht Geld daraus machen? Ohne permanent neue Produkte bleibt die realexistierende Marktwirtschaft stehen.

Wir brauchen Wachstum, mehr Verkäufe, mehr Umsatz, um angesichts der dauernden Produktivitätssteigerung unsere Arbeitsplätze, unseren aktuellen Wohlstand, unsere künftigen Renten zu finanzieren. Ein bisschen mehr Vorsicht, auch seitens der Unternehmen, würde man sich aber doch wünschen. Denn was bei der IFA letztlich propagiert wird, ist die Bereitschaft zur kompletten Transparenz des privaten Lebens.

Bald wird der intelligente Kühlschrank wissen, was man gerne isst, und was man nicht mag. Er bestellt fehlende Speisen online selbstständig nach. Und vielleicht öffnet er sich nicht mehr, wenn man eine bestimmte Kalorienmenge überschritten hat. Solche Geräte wissen zu viel. Wenigstens sollten die Hersteller Sicherheitsmechanismen einbauen. Einmal pro Jahr müssten alle Daten im Haushalt vernichtet werden. Im Gegensatz zum Werbespruch würde es aber ein Stück tatsächlicher Freiheit bedeuten.