Kommentar

Verunsicherte Allianz

Detlef Drewes zu Donald Trump beim Nato-Gipfel

 

Die „Methode Trump“ nutzt sich ab. Spätestens seit dem G7-Gipfel in Kanada, als der US-Präsident auf dem Rückflug per Twitter das gerade erst unterschriebene Schlussdokument aufkündigte, wissen die Verbündeten, dass sie sich bei diesem Mann aus Washington auf alles einstellen und mit allem rechnen müssen. Die Attacken Trumps beim Frühstückstoast in Richtung Deutschland sind nicht nur eine diplomatische Rüpelhaftigkeit, sie sollen auch verdecken, dass die Vereinigten Staaten verärgert sind, weil Deutschland und die EU ihr Gas in Russland einkaufen, anstatt das umstrittene Fracking-Gas aus den USA zu importieren.

Doch deplatzierte Vorwürfe, die auch noch ungerechtfertigt sind, haben Trump noch nie gestört. In der Sache hat der Mann ja nicht völlig unrecht. Die Diskussion um die zwei Prozent, die für Verteidigung ausgegeben werden sollen, würde zumindest in Richtung Deutschland anders verlaufen, wenn wenigstens das vorhandene Material einsatzbereit und nutzbar wäre. Wenn dann noch Investitionen fehlen, darf sich niemand wundern, dass unsere Freunde in der Nato unruhig werden.

Dennoch war dies nicht das Hauptproblem dieses Nato-Gipfeltreffens. Stattdessen macht dem Bündnis die Verunsicherung über den Kurs den Vereinigten Staaten – oder besser: dieses Präsidenten – zu schaffen. Ein klares Bekenntnis zum gegenseitigen Beistand hat Trump bisher vermissen lassen. Die Hoffnung, er werde in Brüssel seine Richtung für das Treffen mit dem russischen Präsidenten am Montag in Helsinki klarmachen, erfüllten sich nicht.

So schossen einmal mehr Spekulationen ins Kraut, Trump werde Putin entgegenkommen – in welchen Fragen auch immer. Wie glaubwürdig stünde dann aber eine Allianz da, die sich gerade eben erst für einen engeren Schulterschluss gegen Moskau ausgesprochen hat?

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