Kommentar

Versuch wert

Archivartikel

Alexander Jungert über die stundenweise Krankschreibung

Ein kranker Mitarbeiter hat bisher zwei Möglichkeiten. Entweder er lässt sich vom Arzt krankschreiben. Oder er schleppt sich ins Büro. Ärztevertreter plädieren künftig für einen interessanten Mittelweg: die Arbeitsminderungs-Bescheinigung, eine Art Krankschreibung in Teilzeit. Sie ist den Versuch wert.

Wer länger ausfällt und danach wieder in den Job zurückkehrt, der kann das oft nur schrittweise tun. Deshalb sollte es auch umgekehrt so sein, dass Arbeitnehmer – die etwa wegen psychischer Probleme nicht mehr voll leistungsfähig sind –, nur für einige Stunden pro Tag krankgeschrieben werden. Die übrige Zeit sind sie unter vertrauten Kollegen, haben eine Aufgabe, werden gebraucht. Längere Fehlzeiten können einer Genesung oft hinderlich sein. Natürlich muss der Arzt den Patienten bei seiner Entscheidung unbedingt miteinbeziehen.

Wenn die starre Regel „ganz oder gar nicht“ verschwindet, nutzt das auch den Unternehmen. Sie können bestenfalls weiter auf Mitarbeiter setzen, die wertvolles Wissen mitbringen. Denn eine Vertretung muss sich erst einarbeiten; das kostet vor allem bei komplexen Aufgaben Zeit und Geld. Sollte es wirklich zu einer Gesetzesänderung für die Arbeitsminderungs-Bescheinigung kommen, muss sie klare Grenzen ziehen. Kein kranker Beschäftigter darf länger als vereinbart im Büro bleiben, wenn er schon mal da ist.

 
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