Kommentar

Unmut verständlich

Anika Pfisterer über das Vorgehen der Schule

Als die Brüder-Grimm-Schule am Montag von den acht Lungenentzündungen erfuhr, wandte sie sich ans Gesundheitsamt. Dazu gibt es keine gesetzliche Pflicht, das war eine reine Vorsichtsmaßnahme – und sie war richtig. So weit, so gut. Ist es aber auch eine Lösung, hustende Kinder von nicht hustenden zu trennen, damit sie die vermeintlich gesunden nicht anstecken? Eigentlich ja. Allerdings nicht auf diese Weise: Auch die aus der Klasse in einen anderen Raum geschickten Kinder wurden einer potenziellen Schmier- oder Tröpfcheninfektion ausgesetzt – und das teils über Stunden. Denn niemand konnte wissen, ob die hustenden Kinder tatsächlich infiziert waren. Husten ist nicht nur ein Symptom für Lungenentzündung, sondern auch für andere Krankheiten wie Erkältung oder Allergie. Wenn das Vorgehen der Schule bei den Eltern Unmut erzeugt, insbesondere wenn diese offenbar deutlich verspätet informiert werden, dann ist das nachvollziehbar.

Bei aller Kritik stellt sich die Frage nach einer Alternative: Jedes Kind in ein anderes Klassenzimmer setzen? Utopisch, zumal es eine Aufsichtspflicht an Schulen gibt. Die womöglich pausenlos hustenden Schüler solange im Klassenverbund belassen, bis die Eltern endlich kommen? Wohl kaum. Bleibt die Erkenntnis: Im Schulalltag gibt es Situationen, in denen es kein Richtig gibt – sondern nur ein Falsch.

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