Kommentar

Ungewisser Ausgang

Thorsten Langscheid sieht ein Dilemma für den Umweltschutz

Vor einem guten Jahr wurde – weil man erstmals genauer nachgeschaut hat – das Bienenragwurz-Biotop in der alten Neckarschleife „entdeckt“. Doch die bevorstehende Umgestaltung der Feudenheimer Au, so fürchten Naturschützer von Bund und Nabu, stellt das Biotop in Frage. Hinter den Kulissen warben sie deshalb für den Erhalt der Orchideen – bislang ohne Erfolg.

Deshalb jetzt der öffentliche Appell – der das Dilemma zeigt, das auch grüne Großprojekte mit sich bringen. Da werden per Federstrich Erdmassen bewegt, Gewässer künstlich angelegt und Pflanzen hierhin und dorthin gesetzt, wo man sie eben am liebsten hätte. Gegen diese Perspektive der Landschaftsarchitekten steht der bewahrende Naturschutz der Botaniker und Biologen, die Pflanzen und Tiere dort schützen wollen, wo sie schon sind. Umsiedlungen, bei denen ein Lebensraum erst einmal zerstört wird, haben für sie zu oft einen ungewissen Ausgang.

Dass jetzt ausgerechnet ein Radweg, den ja auch die Naturschützer grundsätzlich unterstützen, die seltenen Blumen bedroht, macht eine Auflösung des Dilemmas nicht leichter – solange die Grünzugplaner an der einmal bestimmten Radwegtrasse festhalten.