Kommentar

Ungeliebtes Kind

Bertram Bähr zur Dis-kussion um die Gemein-schaftsschulen

 

Eines kann man der Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) nicht vorwerfen: dass sie offen Front gegen Gemeinschaftsschulen macht. Zwar hat ihre Partei zu Zeiten der grün-roten Landesregierung das Projekt vehement abgelehnt. Aber mit Grün-Schwarz in Stuttgart galt es für die Christdemokraten, Kompromisse zu schließen. Dieser Notwendigkeit beugt sich Eisenmann. Sie bekennt sich öffentlich zu den Gemeinschaftsschulen – im Großen und Ganzen. Gleichwohl ist verständlich, dass sich die Elternvertreter und Schulleitungen um das jüngste „Kind“ in der baden-württembergischen Schullandschaft Sorgen machen. Dafür sorgen die Zwischentöne, die direkt oder indirekt aus dem Kultusministerium dringen. So sagte Eisenmann bei ihrem Besuch an der Kerschensteinerschule im April letzten Jahres sinngemäß, man dürfe die neue Schulform nicht noch mehr als bisher beweihräuchern. Hinzu kommt ihr erklärtes Ziel, Ziffernnoten und Vergleichsarbeiten stärker in den Mittelpunkt zu stellen – zulasten eines differenzierten Unterrichts, der auf Starke und Schwache gleichermaßen eingeht. Das alles zeigt: Das jüngste „Kind“ Gemeinschaftsschule ist ein ungeliebtes – und könnte nach der Landtagswahl 2021 „verstoßen“ werden.