Kommentar

Und die Stadt schweigt . . .

Steffen Mack über die Untreue-Vorwürfe bei Asylbewerber-Hilfen

Es ist unfassbar. Da soll eine städtische Angestellte über fast vier Jahre Geld eingestrichen haben, das für Asylbewerber vorgesehen war. Gesamthöhe: mehr als 83 000 Euro. Bekannt gibt den spektakulären Fall das Amtsgericht, vor dem sich die Frau am Montag verantworten muss. Und was sagt dazu die Stadt? Nichts und noch mal nichts. Gestern wie vorgestern wurden „MM“-Anfragen unter Verweis auf das „laufende Verfahren“ abgewiesen.

Das wirkt, als wollten sich die Verantwortlichen – konkret Fachbereitsleiter Hermann Genz und der zuständige Bürgermeister Michael Grötsch – aus ihrer Verantwortung stehlen. Denn dazu gehört auch, die Öffentlichkeit über solche schwerwiegenden Vorgänge zu informieren.

Die Bürger dürfen von ihrer Verwaltung erwarten, dass sie gewissenhaft mit Geld umgeht. Und ihnen das, was ihnen zusteht, auch auszahlt. Zwackt hier eine städtische Angestellte etwas für eigene Zwecke ab, bringt sie damit alle Kollegen ins Zwielicht. Auch denen wäre die Stadt rasche Aufklärung schuldig.

Es ist ja nicht so, dass die Kontrollmechanismen hier komplett versagt hätten. Die Vorgänge kamen laut Gericht nach einer „stichprobenartigen Überprüfung“ ans Licht – allerdings erst nach vier Jahren und 439 Fällen. Da wüsste man von der Stadt schon gern Näheres. Auch, zu wessen Lasten das Ganze ging.

Angezeigt wurde die Mitarbeiterin schon im Mai 2016. Reichlich Zeit, um sich eine Kommunikationsstrategie zu überlegen. Einfach zu schweigen, ist keine.