Kommentar

Unattraktiver geht es kaum

Marc Stevermüer zu späten Anwurfzeiten in der Königsklasse

 

Champions-League-Gruppenphase, Spiel fünf von 14 in der Vorrunde, Anwurf für die Rhein-Neckar Löwen um 21 Uhr gegen HC Zagreb. Ganz ehrlich: Unattraktiver und familienunfreundlicher geht es kaum noch. Diese absurde, irrwitzige und groteske Terminierung zeigt einmal mehr, dass die Königsklasse des Handballs akut reformbedürftig ist.

Sechs von acht Mannschaften überstehen die Vorrunde, da ist der sportliche Reiz überschaubar und es absolut verständlich, dass die Trainer der deutschen Starter nicht immer ihre beste Formation aufs Feld schicken. Zumal die Belastung auf nationaler Ebene ohnehin schon immens ist. Doch was ist die Champions League noch wert, wenn die besten Handballer aus der stärksten Liga der Welt nur in jedem zweiten Spiel zu sehen sind? Von einem spannenden Premiumprodukt kann da nur bedingt die Rede sein - zumindest in der aufgeblähten Vorrunde.

Alles auf den Prüfstand

Eine halbwegs vernünftige Anwurfzeit würde zumindest die Chance eröffnen, manch einen Zuschauer mehr in die Halle zu locken. Nun schauen die Anhänger in die Röhre - und die Löwen haben den finanziellen Schaden in Form von geringen Ticketerlösen. Die Wünsche der Verbände und des Fernsehens stehen eben über allem, was im Umkehrschluss bedeutet: Die Interessen der Fans, die gerne ihre eigene Mannschaft zu einer akzeptablen Zeit in der Arena unterstützen wollen, sind zweitrangig. Ganz zu schweigen von den Wünschen der Spieler nach mehr Pausen: Partien im Zwei-Tages-Rhythmus stehen auch dank des Diktats des Fernsehens in dieser Saison mehrfach an, sogar zwei Spiele innerhalb von 24 Stunden gibt es für die Löwen.

Keine Frage: Die Champions League in ihrer jetzigen Form gehört auf den Prüfstand. Das gilt für den Modus, die Spieltage, die Zeiten. Und die Lösung kann auf gar keinen Fall Europaliga heißen.

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