Kommentar

Transparenz sieht anders aus

Archivartikel

Madeleine Bierlein über die Aufarbeitung der Bluttest-Affäre

Transparenz – so lautete das Versprechen. Erst vom Vorstand des Heidelberger Universitätsklinikums, anschließend von Aufsichtsrat und Wissenschaftsministerium, die die Aufklärung der Affäre um den Heidelberger Bluttest auf Brustkrebs an sich gezogen und eine unabhängige Expertenkommission eingesetzt hatten. Gescheitert, so muss man nun feststellen, sind sie alle.

Mit einem spektakulären Schachzug hat Christof Sohn, mittlerweile in Ungnade gefallener Chefarzt der Uni-Frauenklinik, quasi in letzter Minute die Präsentation des Abschlussberichts verhindert. Damit ist auch ein Schlussstrich unter die Affäre in weite Ferne gerückt, die dem Ruf des Klinikums schweren Schaden zugefügt hat.

Nun kann man die Hauptverantwortung für die verfrühte Präsentation des Tests, so wie es Experten- und Senatskommission getan haben, Sohn zuschreiben. Schließlich war er es, der den Test als Durchbruch präsentierte – und damit Frauen in aller Welt Hoffnung machte.

Man kann sich aber auch fragen, welche Strukturen die Affäre begünstigt haben. Wie ist es möglich, dass die Erfinderinnen aus ihrem Projekt gedrängt werden? Wie kann es sein, dass ein Chefarzt einen Freund, der keine Expertise in dem Bereich hat, als Investor durchsetzt und schließlich den Test ohne wissenschaftliche Grundlage anpreist? Die Liste lässt sich weiter verlängern, aber letztendlich läuft es immer auf dieselbe Frage hinaus: Wieso können Einzelpersonen schalten und walten, wie es ihnen gefällt?

Denn das ist der wahre Skandal in Heidelberg. Das Universitätsklinikum ist eine öffentliche Spitzen-Einrichtung, die mit gutem Beispiel vorangehen sollte. Es ist nie auszuschließen, dass Einzelne versuchen, ihre Macht im eigenen Interesse zu nutzen. Dafür sind Kontrollinstanzen nötig, die dieser Aufgabe ernsthaft nachkommen. Und es braucht eine Kultur, in der kritische Fragen möglich, ja gewollt sind, in der Transparenz gelebt wird. Die Zeiten der Götter in Weiß sollten eigentlich längst vorbei sein.

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