Kommentar

Systematische Zerstörung

Thomas Spang zum Rückzug der USA aus der Weltordnung

Donald Trump wird in die Geschichtsbücher einmal als der Rückzugspräsident eingehen. Seine Formel "Amerika über alles" bedeutet im Umkehrschluss, der Rest der Welt kann ihm gestohlen bleiben. Der Austritt aus der Weltkultur-Organisation Unesco ist das jüngste Beispiel dafür, aber nicht das beste.

Schon unter dem UN-freundlichen US-Präsidenten Barack Obama gab es Knatsch zwischen den USA und der in Paris ansässigen Organisation. Weil die Unesco vorpreschte und das offiziell nicht als Staat anerkannte Palästina zum Vollmitglied machte, setzte Washington im Oktober 2011 seine Mitgliedsbeiträge aus. Für Trump liefert der Palästina-Streit eine willkommene Ausrede dafür, dass sich die USA nun ganz aus der Unesco zurückziehen.

Die Entscheidung passt zu seiner Kritik an der Nato, zur Aufkündigung des Handelsabkommens TPP, zum Läuten der Totenglocken für NAFTA, zum Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen und zur erwarteten Aufkündigung des Atom-Abkommens mit Iran.

Trump macht Ernst mit dem Rückzug der USA aus der Weltordnung, die die Supermacht nach dem Zweiten Weltkrieg selber geschaffen hat. Überraschen sollte das niemanden, der sich mit den Positionen des National-Chauvinisten im Weißen Haus beschäftigt hat. Sein Rückzug aus der Unesco mag im Vergleich zum Klima- oder Atomabkommen mit Iran inhaltlich eine Kleinigkeit sein. Zumal von Ronald Reagan bis George W. Bush jeder Republikaner mit einem Austritt drohte. Was in diesem Fall zählt, ist die Symbolik der Entscheidung. Sie muss als politisches Signal dafür verstanden werden, was der "Amerika über alles"-Präsident von den Vereinten Nationen im Allgemeinen und internationalen Verträgen im Besonderen hält: nichts. Damit setzt Trump fort, wofür er seit Jahrzehnten streitet und womit er angetreten war: die Nachkriegsordnung mit der Abrissbirne zu zerstören.