Kommentar

Starkes Signal

Alexander Jungert zur Hauptversammlung von Bilfinger

 

Was für turbulente Jahre der traditionsreiche Bilfinger-Konzern doch hinter sich hat: heftige Verluste, ein beispielloser Konzernumbau, gefühlt alle paar Monate neues Führungspersonal. Die Aktionäre haben schon glorreichere Hauptversammlungen erlebt. Verglichen damit verlief das Treffen in Mannheim gestern geradezu unspektakulär.

Vorstandschef Tom Blades, seit fast zwei Jahren im Amt, hat es tatsächlich geschafft, Bilfinger zu beruhigen und neu auszurichten. Die „2-4-6-Formel“ – zwei Geschäftsfelder, vier Kernregionen, sechs Kundenindustrien – ist klar und fokussiert. Blades Kurs trägt erste Früchte. Der Auftragseingang steigt kontinuierlich, die Verluste fallen schwächer aus. Die Börse honoriert das.

In dieser Phase betreibt Bilfinger Vergangenheitsbewältigung. Die Managerhaftungsfälle dürften zu den größten der deutschen Wirtschaftsgeschichte gehören. Auf der Hauptversammlung ist klar geworden: Aufsichtsratschef Eckhard Cordes treibt die Aufarbeitung unerbittlich voran. Dass die Aktionäre einer Reihe früherer Manager die Entlastung versagt haben, spricht Bände. Rechtlich hat das zwar keine Folgen. Doch der nachträgliche Vertrauensentzug ist ein starkes Signal. Selbst den einst gefeierten Ex-Vorstandschef Herbert Bodner trifft es.

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