Kommentar

Starker Tobak

Thomas Spang zum Streit zwischen US-Präsident Donald Trump und dem früheren FBI-Chef James Comey

In der Kraftprobe zwischen dem ehemaligen FBI-Direktor James Comey und US-Präsident Donald Trump um den Bestseller „Größer als das Amt“ treffen zwei große Egos aufeinander. Beide kämpfen bis aufs Messer über die Deutungshoheit der Ereignisse, die vor mehr als einem Jahr zum Rauswurf des ehemaligen FBI-Chefs führten. Hier der prinzipientreue ehemalige Chef der Bundespolizei, der auf Rechenschaft und Rechtsstaatlichkeit pocht.

Da der sprunghafte Präsident, der mit Selbstherrlich- und Selbstgerechtigkeit agiert. Comey orientiert sich an Fakten, die er in ausführlichen Memoranden festgehalten hat. Trump liebt die Fiktion, die nur im Universum seiner alternativen Realität existiert. Der eine klagt mit der Präzision eines Staatsanwalts an, der seinen Fall stringent entfaltet. Der andere behauptet aus dem Bauch heraus, er sei das Opfer einer großen Verschwörung. Der ehemalige FBI-Direktor hat seinen Ärger über den Rauswurf unter Kontrolle, während der Präsident jeden Stil vermissen lässt.

Trump disqualifiziert sich selber, wenn er wie ein Halbstarker auf dem Schulhof Comey einen „Schleimbeutel“ nennt. Die beiden Kontrahenten verkörpern in vielerlei Beziehung die beiden Amerikas, die einander zunehmend unversöhnlich gegenüberstehen. Ihre Auseinandersetzung gerät zu einem Symbol einer politischen Kultur, die in der Gosse angekommen ist. Wobei außer Frage steht, wer das Niveau nach unten drückt. Trumps Stillosigkeiten befreien Comey von jeder Rücksichtnahme in der Sache.

Dass er Trump mit einem Mafia-Boss vergleicht und ihn moralisch nicht für das Präsidentenamt geeignet hält, ist starker Tobak von einem Ex-FBI-Direktor. Trumps Kritiker dürfte das kaum überraschen, seine Fans nicht überzeugen. Ändern wird Comeys Öffentlichkeits-Offensive wenig in einer Gesellschaft, in der längst Stammesverhalten die Suche nach der Wahrheit abgelöst hat.