Kommentar

Selbstsabotage

Archivartikel

Thomas Spang über den geplanten Abzug von US-Truppen

Das Ringen um den Truppenrückzug der Amerikaner aus Deutschland gerät zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Auf beiden Seiten des Atlantiks gibt es genügend Widerstand, den Prozess hinauszuzögern. Nüchtern betrachtet hängt nun alles am Ausgang der Präsidentschaftswahlen im November. Aber auch die die Zukunft der Nato selbst steht auf dem Spiel, deren Konzept der „Amerika-First“-Präsident noch nie verstanden hat. Das Bündnis ist keine Ansammlung von Vasallen, die einer Schutzmacht Tribut zollen, sondern ein multilaterales Bündnis souveräner Staaten, die gemeinsame Werte teilen. Und ihr Schicksal miteinander verknüpft haben. Niemand versteht besser als die Führung der US-Streitkräfte, wie wichtig die Nato für die Sicherheit der Amerikaner ist.

Es grenzt an Selbstsabotage, ohne Not die militärischen Hauptquartiere für das Kommando in Europa und Afrika zu verlegen oder den Standort des größten Truppenübungsplatzes des Kontinents zu schwächen. Auch im Kongress gibt es bei Republikanern und Demokraten genügend Politiker, die nicht wie Trump glauben, die USA seien „arme Schlucker“, wenn sie ihre Sicherheitsinteressen wahren. Genau deshalb versuchen alle Beteiligten gute Mine zum bösen Spiel zu machen; inklusive Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Insgeheim setzen sie darauf, dass die Tage des „Amerika-First“-Präsidenten gezählt sind. Bei seiner Abwahl im November bliebe genügend Zeit, diesen strategischen Irrsinn zu stoppen.