Kommentar

Schmerzhafte Erfahrung

Martin Dahms zum weiteren Rücktritt in Spanien

Der hohe Ministerverschleiß der spanischen Sánchez-Regierung lässt sich, wenn man will, positiv interpretieren: Skandale werden in Spanien nicht mehr ausgesessen, sondern durch Rücktritt bereinigt. Alles andere wäre allerdings auch ein Desaster.

Dass Pedro Sánchez seit Anfang Juni in Spanien regiert, hat er der Überheblichkeit seines Vorgängers Mariano Rajoy zu verdanken. Dem waren seine beinahe wöchentlich aufpoppenden Skandale so lange egal, bis der Nationale Gerichtshof im Urteil zur „Gürtel“-Affäre ein „institutionelles Korruptionssystem“ innerhalb der konservativen Volkspartei feststellte. Zwei Wochen später verjagte die Opposition Rajoy aus dem Amt und setzte den Sozialisten Sánchez ein.

Er versprach einen Neuanfang. Er versprach Sauberkeit. An diesem Versprechen muss er sich messen lassen. Wie schmerzhaft es aber offenbar ist, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, hat sich im Fall der Gesundheitsministerin Carmen Montón gezeigt. Sánchez wollte sie noch halten. Dann trat sie am Dienstagabend doch zurück. Es ist ein Glück für Spanien. Und auch für Sánchez.

 
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