Kommentar

Reden statt bomben

Detlef Drewes verlangt von Europa, bei der Lösung des Nordkoreakonflikts Verantwortung zu übernehmen

 

Europa kann sich nicht raushalten. Dass der Nordkorea-Konflikt bisher nur verbal eskaliert, ist kein Grund, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Denn niemand weiß, ob die Krise nur ein Schlagabtausch zweier Führer bleibt, die offensichtlich wenig Interesse an diplomatischer Beruhigung haben.

Noch gehört die Gemeinschaft nicht zum Kreis der Länder mit Südkorea, China, Russland, Japan und den USA, die eine Lösung finden sollen. Mehr noch, diese Zusammensetzung ist beunruhigend genug. Zu viele sehen militärische Gewalt als legitimes Mittel der Prävention an. Die Europäische Union (EU) hat beim jahrelangen Streit um das Atomprogramm des Iran gezeigt, wie man solche Probleme auch ohne Waffen aus der Welt schaffen kann. Verantwortung übernehmen - das ist das Gebot der Stunde.

Dabei geht es einmal mehr darum, auch die US-amerikanischen Zuspitzungsversuche zurückzuweisen. Donald Trump soll wissen, dass er im Ernstfall weder auf Unterstützung der Nato-Allianz noch der EU zählen kann.

Zugleich muss der Einfluss der Mitgliedstaaten genutzt werden, um China wachzurütteln. Die dortige Spitze darf sich nicht auf eine Beobachterrolle zurückziehen und hinter dem Rücken der Weltgemeinschaft alles Mögliche tun, um das Regime in Pjöngjang aufzurüsten. Europas Drähte nach Peking müssten gut genug sein, um das Reich der Mitte für eine friedliche Lösung ins Boot zu holen.

Es geht jetzt nicht um die Befriedung eines regionalen Konflikts. Natürlich stehen im Hintergrund geopolitische Interessen um den Führungsanspruch in dieser Region. Die Aufgabe ist immens: Zum einen muss Nordkorea sich der internationalen Atomwaffenkontrolle unterstellen. Zum anderen wird eine Ordnung für diesen Raum gebraucht, in dem die Einflusssphären Chinas, der USA und Japans sowie Russlands aufeinanderprallen. Trotzdem wird niemand ernsthaft wollen, dass diese Reibereien am Ende mit Kernwaffen ausgetragen werden.

Die EU könnte hier tatsächlich als eine einigermaßen neutrale Macht von Gewicht auftreten - vorausgesetzt, sie schafft es, wirklich mit einer Stimme zu sprechen. Das ist bisher zumindest nicht sicher.

Das Schweigen der Union aus Urlaubsgründen erscheint mehr als gewagt. Ein eskalierender Konflikt in Fernost lässt niemanden unbeteiligt. Er würde unsere Sicherheit gefährden. Mit geduldigen Beschlüssen und viel bedrucktem Papier ist es nicht mehr getan. Der Weltsicherheitsrat konnte bisher wenig erreichen. Europa sollte seinen Einfluss auf alle Beteiligten nutzen, um die Krise zu entschärfen, bevor es zu spät ist.

Natürlich ist das Instrumentarium der Europäer begrenzt. Wer auf Waffen verzichtet, dem bleiben nur die Aussichten auf Frieden und Wohlstand sowie ökonomische Prosperität. Aber darum geht es derzeit nicht. Der nordkoreanische Diktator braucht einen äußeren Feind, um die Unzufriedenheit seines Volkes nicht hochkochen zu lassen. Der US-Präsident tut ihm den Gefallen, diese Rolle zu spielen. Auch das sollten die Europäer ihrem Verbündeten in Washington klarmachen. Ein Ausweg aus der Krise sind weder das Säbelrasseln und schon gar kein Waffengang. Europa weiß das.

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