Kommentar

Potenzial nutzen

Archivartikel

Matthias Kros über neue Lkw-Parkplätze an Autobahnen

Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist wahrhaftig keine einfache Angelegenheit. Meist ist zwar unstrittig, dass Straßen oder Schienen gut und notwendig für die regionale Wirtschaft sind. Aber vor der eigenen Haustür will sie niemand haben.

Da bilden die dringend benötigten zusätzlichen Stellplätze für Lkw keine Ausnahme. Kaum wird der Ausbau einer Rastanlage oder der Neubau eines Autohofs bekannt, formiert sich reflexartig Widerstand dagegen. Dafür mag es in jedem Einzelfall gute Gründe geben. Aber jeder möchte vollgefüllte Regale in Supermärkten und pünktliche Lieferungen von bestellten Waren. Und irgendwo müssen die dafür nötigen Lkw unterwegs nun einmal parken.

Auf der anderen Seite kann natürlich auch eine ungebremste Versiegelung wertvoller Flächen für neue Lkw-Parkplätze keine Lösung sein. Das verbietet sich schon deshalb, weil der Güterverkehr langfristig von der Straße auf die umweltfreundlichere Schiene verlagert werden soll.

Kurzfristig lässt sich daher durch flankierende Maßnahmen mehr erreichen, vor allem indem bestehende Parkplätze effizienter genutzt werden. Durch das „Kolonnenparken“ lassen sich beispielsweise bis zu 40 Prozent mehr Lkw-Stellplätze auf derselben versiegelten Fläche generieren.

Auch in der Digitalisierung des Straßenverkehrs steckt noch viel ungenutztes Potenzial. Durch entsprechende Telematik-Systeme können schon heute freie Parkplätze an Raststätten auf elektronischen Hinweistafeln angezeigt werden. Wenn man diese miteinander vernetzt und die Informationen in die Navigationshilfen der Lkw einspeist, lassen sich die Fahrten für die Speditionen besser planen und die Parkangebote gleichmäßiger auslasten.

Insofern haben die langwierigen Genehmigungsverfahren für neue Lkw-Parkplätze durchaus ihre produktive Seite: Sie bringen die Verkehrsministerien dazu, mit Hochdruck nach Alternativen zu suchen.

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