Kommentar

Madeleine Bierlein zur Entwicklung von Corona-Impfstoffen

Offene Fragen

So viel steht fest: Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, braucht es eine Impfung. Diese muss sicher sein und gut vor dem neuen Coronavirus schützen. Die Entwicklung im Eiltempo aber ist teuer, sehr teuer. Die Bundesregierung tut daher gut daran, Firmen mit viel versprechenden Impfstoff-Kandidaten zu unterstützen.

Nur: Es bleibt eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Noch ist unklar, wann die ersten Impfstoffe bereitstehen werden. Verzögerungen sind durchaus möglich, wie sich gerade erst beim britisch-schwedischen Unternehmen AstraZeneca gezeigt hat, das seine Studie wegen der Erkrankung eines Probanden unterbrechen musste.

Auch die Effektivität der Impfstoffe muss sich erst noch zeigen. Selbst bei bewährten Vakzinen gibt es große Unterschiede. Diejenigen gegen Masern, Mumps und Röteln etwa schützen zu 93 bis 99 Prozent. Bei der Grippe hingegen sind es nur rund 60 Prozent, in manchen Jahren deutlich darunter.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist dennoch „sehr, sehr zuversichtlich“, wie er selbst sagt, mit freiwilligen Impfungen eine Herdenimmunität in der Bevölkerung zu erreichen. Eine Impfpflicht wäre auch gar nicht umsetzbar. Denn selbst wenn mehrere Vakzine gleichzeitig auf den Markt kommen sollten, wird die Produktion dauern. Dann gilt es sorgfältig abzuwägen, wer zuerst geimpft wird. Am Anfang dürfte das medizinische Personal stehen, dann aber wird es schon kniffeliger. Sollen erst Risikogruppen geimpft werden oder junge Menschen, die das Virus stärker verbreiten? Es sind schwierige Entscheidungen, die der Bundesregierung noch bevorstehen.

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