Kommentar

Nur noch Zaungast

Alexander Müller zur schwachen Bilanz in der Königsklasse

In der Politik macht die Insel gerade keine gute Figur. Das Chaos rund um den geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hat die Grenze zur Peinlichkeit längst überschritten. In der Champions League haben die englischen Vereine hingegen eine Anti-Brexit-Kampagne gestartet: Sie wollen die europäische Königsklasse des Fußballs partout nicht verlassen. Alle vier englischen Vertreter haben den Einzug ins Viertelfinale geschafft, das sich somit zur Hälfte aus Premier-League-Clubs zusammensetzt – mit Manchester City und dem FC Liverpool haben die Briten gleich zwei potenzielle Titelkandidaten noch in der Verlosung.

Wenn es im wichtigsten europäischen Wettbewerb in die entscheidende Phase geht, ist die Bundesliga erstmals seit 13 Jahren nur noch Zaungast. Das hat nichts mehr mit einer Momentaufnahme unter Verweis auf unglückliche Umstände zu tun, sondern bestätigt den eindeutigen Befund der für die DFB-Elf so desaströs verlaufenen WM in Russland im vergangenen Sommer: Der deutsche Fußball hat den Anschluss an das internationale Top-Niveau verloren.

Exodus der Top-Trainer

Die Erfolge des sicheren Viertel- oder Halbfinalkandidaten FC Bayern konnten diesen Abwärtstrend in den vergangenen Jahren noch überdecken, doch wenn die Münchner wie in dieser Saison (und sicher auch in der nächsten) aufgrund hausgemachter Probleme im Konzert der Großen an ihre Grenzen stoßen, wird die Krise offenkundig.

Gründe dafür gibt es neben dem Umbruch beim Branchenführer viele: Eklatante Probleme im Nachwuchsbereich zum Beispiel, in dem Frankreich oder England dem einstigen Talente-Wunderland wieder den Rang abgelaufen haben. Die Fernsehgeld-Flut in der Premier League und der Einstieg von Investoren aus dem Nahen Osten bei Paris oder Manchester City, die die Preise auf dem Transfermarkt ins Uferlose haben schießen lassen. Oder der Mangel an außergewöhnlichen Trainern in der Bundesliga seit dem Weggang von Jürgen Klopp, Pep Guardiola und Thomas Tuchel, in der zurzeit nur noch Julian Nagelsmann und mit Abstrichen Lucien Favre eine Mannschaft deutlich besser machen können, als es die Summe der einzelnen Teile eigentlich hergibt. Deshalb macht Deutschland im Fußball gerade überhaupt keine Figur.

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