Kommentar

Nur Druck hilft

Archivartikel

Die Ökoumlage sinkt und doch steigt bei vielen Versorgern in Deutschland der Strom- und Gaspreis. Dahinter stecken zwar auch Marktbewegungen, doch zugleich verstärkt sich der Eindruck: Egal, was passiert, die Zahlen auf der Rechnung klettern immer nur nach oben. Die Bereitschaft, auch Kostensenkungen weiterzugeben, ist gleich Null.

Die Begründung für die Preissteigerung liegt diesmal nicht in den Auf- und Zuschlägen, sondern in den Kosten für die Ware selbst. Strom wird an den Börsen wieder teurer. Doch ist das wirklich ein guter Grund für die Erhöhung? Als die Großhandelspreise vor einigen Jahren gesunken sind, haben die Versorger die Kostensenkungen auch nicht weitergegeben. Sie haben Kurs gehalten, weil die Entwicklungen angeblich langfristig verlaufen.

Dazu kam ein Verweis auf die hohen Abgaben. Die sinken nun jedoch, und plötzlich ist der Beschaffungspreis der Anlass für eine Verteuerung. Der Energiewende die Schuld zu geben, wäre falsch. Im Gegenteil. Ein Teil der Preiserhöhung geht darauf zurück, dass die Belastung des Kohlendioxid-Ausstoßes steigt. Je mehr Erneuerbare im Mix sind, desto weniger CO2-Zertifikate sind jedoch nötig. Und desto weniger spielen die höheren Preise für Kohle und Gas eine Rolle. Tatsächlich treiben die Kosten für den Ausbau der Netze derzeit die Preise, doch beim Bau der Trassen, Schaltstellen und intelligenten Netze handelt es sich um eine nötige Investition, die Jahrzehnte dauern wird.

Bei der Einstellung der Versorger wäre es gutgläubig von den Verbrauchern, ohne eigenes Zutun auf niedrigere Kosten zu hoffen. Sie sollten ihr Recht auf einen Anbieterwechsel nutzen. Nur Konkurrenzdruck erzwingt in einer Marktwirtschaft den günstigsten Preis.

 
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