Kommentar

Neues Glück

Archivartikel

Peter Reinhardt sieht bei den Zockerspielen im Internet noch erheblichen Klärungsbedarf bei vielen Einzelfragen

Am Ende wurde der politische Druck auf die Bundesländer wohl doch zu groß. So einigten sich die 16 Staatskanzleien für Außenstehende etwas überraschend auf neue Regeln für das Online-Glücksspiel. Das ist zu begrüßen, weil das die Zeit für die Vorbereitung schafft. Denn die 15 Monate für den Aufbau einer völlig neuen länderübergreifenden Kontrollbehörde sind noch immer ein enges Zeitkorsett.

Es sah lange Zeit so aus, als würden die Länder keine gemeinsame Linie für Online-Poker und Internet-Casinos finden. Gleichzeitig wuchs der Schwarzmarkt von Jahr zu Jahr, ohne dass die personell fast überall unterbesetzte Aufsicht wirksame Maßnahmen ergriffen hat. Eher fügte man sich in das Schicksal, dass die illegalen Anbieter in ihrer Zentrale auf Malta oder in Gibraltar eh nicht belangt werden könnten. Dafür ließ sich der Staat sogar Steuern entgehen.

Eine realistische Alternative zur Zulassung von Online-Spielen garniert mit einer harten Regulierung hat es für die Länder allerdings auch gar nicht gegeben. Mit einem Verbot hätten sie Schiffbruch erlitten wie einst die USA mit dem Trinkverbot. Manche Vorschriften haben auch unerwünschte Nebenwirkungen. Das gilt zum Beispiel für die geplante Einsatzgrenze von monatlich 1000 Euro. Denn die trifft auch die staatlichen Spielbanken, die sich schon schwertun, seit das Rauchverbot in ihren Bilanzen tiefe Spuren hinterlassen hat. Fragen bleiben: Es ist ein Unterschied, ob ein reicher Urlauber am Roulettetisch der Spielbank Baden-Baden 1000 Euro versenkt oder ein junger Arbeitsloser die gleiche Summe am Automaten im Internet. Der eine wird sich über die Gängelung ärgern, der andere bräuchte zusätzliche Bremsen. Denn mit Sicherheit ist im anonymen Netz die Suchtgefahr größer.

Wie wirksam die geplante Kontrolle für den Online-Bereich wirklich ist, wird sich erst in der Praxis zeigen. Der Aufwand für die Anbieter wird erheblich, wenn für jeden Spieler ein jederzeit nachprüfbares Konto eingerichtet werden muss. Funktionieren wird das nur, wenn die Überwachung intensiv ist. Viele Fragen wirft die zeitliche Beschränkung der Werbung auf. Wer kontrolliert, ob tatsächlich nachts im Internet nicht für Live-Spiele geworben wird? Was ist mit der Bandenwerbung in den Fußballstadien bei TV-Übertragungen nach 23 Uhr? Immerhin kann man sich einen wirksamen Hebel für die Genehmigung schaffen, wenn Werbung nur für lizensierte Angebote erlaubt wird.

Auch bei der geplanten Sperrdatei sind die Einzelheiten nicht geregelt. Wenn die tatsächlich alle Formen des Glücksspiels von Spielhallen über Sport- und Pferdewetten bis zu Online-Anbietern umfassen soll, droht ein Behördenmoloch. Natürlich muss der Staat auch für Zocker den Datenschutz gewährleisten.

Im Glücksspielmarkt wird mit harten Bandagen gekämpft, weil Milliarden im Spiel sind. Das ist online nicht anders als bei traditionellen Lotterien und den Spielcasinos. Die Geldautomaten bringen den Städten so viel ein, dass vielerorts beide Augen zugedrückt werden. Bei den Lotterien profitieren die Bundesländer. Die müssen Umsatzeinbußen fürchten, wenn Online-Glücksspiele legal werden. Trotz der aufgebauten Hürden wird die Konkurrenz um das Geld der Spieler hart werden.

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