Kommentar

Heike Rentsch wirbt für bundeseinheitliche Regelungen bei Mindestgrößen für die Einstellung bei der Polizei

Millimeterentscheidung

Archivartikel

Einmal sind es 40 Millimeter, ein anderes Mal 15. Kleinigkeiten, könnte man denken. Doch für die abgelehnten Polizeibewerber bedeuten sie oft das Ende eines Traums. Trotz teils hervorragenden Eignungstests wirft sie ein Metermaß aus dem Rennen. Dass diese frustrierende Erfahrung oft vor Gericht angefochten wird, ist verständlich.
Besonders, da die Mindestgrößen in den Bundesländern nicht einheitlich sind. Während im Saarland der Polizeiarzt im Einzelfall entscheidet, hat sich Baden-Württemberg auf ein Minimum von 1,60 Meter bei beiden Geschlechtern festgelegt. In Nordrhein-Westfalen sind Männer ab 1,68 Meter tauglich, Frauen ab 1,63 Meter. Da stellt sich schnell die Frage, warum ein 1,60 Meter großer Baden-Württemberger dienstfähig ist, sein gleichgroßer Kollege in Nordrhein-Westfalen dazu aber nicht in der Lage sein soll.
Klar, Polizei ist Ländersache. Doch die Anforderungen an die Beamten steigen. Gewaltbereite Hooligans, Terrorwarnungen, prekäre Großveranstaltungen wie der G20-Gipfel in Hamburg: Für ihre gefährlichen – und oft frustrierenden – Einsätze braucht die Polizei die besten Kräfte, die sie bekommen kann. Da darf es auf ein paar Millimeter nicht ankommen.
Klar ist aber auch, dass zu kleine Polizisten im Ernstfall an ihre Grenzen geraten könnten. Bei einer Festnahme wären Halte- und Hebeltechniken weniger effektiv, urteilten die Richter in einem der Fälle. Und wenn die kleinste Schutzausrüstung nicht richtig sitzt, bringt aller Aufwand nichts. Das Einzige, was für länderübergreifende Klarheit sorgen könnte, wäre ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Ein Richterspruch aus Karlsruhe täte deshalb not. Es sollten gute, wissenschaftlich fundierte Maßstäbe sein, auf deren Basis Anwärter nur aufgrund ihrer Größe ausgesiebt werden. Und diese müssen bundesweit gelten. Alles andere ist diskriminierend.