Kommentar

Mehr Euro für die Welt

Detlef Drewes über das Streben der EU, den Dollar als Leitwährung im globalen Handel zu ersetzen

An dem Tag, an dem die EU-Kommission in Brüssel über ihren Traum vom Euro als Weltwährung sprach, wartete dieselbe Behörde auf den Eingang des neuen Haushaltsvorschlages aus Italien. Und sie durfte sich zu Recht brüskiert fühlen, weil Rom sich alle Zeit der Welt für einen angekündigten Kompromiss lässt.

Doch, die beiden Dinge haben miteinander zu tun, weil die Vertragstreue und die Gewissheit, dass alle Mitglieder der Währungsunion die versprochenen Regeln auch einhalten, entscheidend sind – für das Vertrauen in eine Währung und in deren Stabilität. Der Euro ist – entgegen aller Kritik – zweifellos eine Erfolgsgeschichte. Und obwohl unser Geld als Zahlungsmittel noch keine 20 Jahre alt ist, hat es schon so manchen heftigen Sturm auf den Finanzmärkten überlebt.

Trotzdem gibt es Zweifel, wenn hinter der Währung eine Union steht, in der Sündenfälle gegen die Stabilitäts- und Wachstumsregeln an der Tagesordnung sind. Und es ist eine Beschädigung der Währung, wenn die Behörde, die die Einhaltung der Fiskalversprechen kontrollieren soll, die Regeln selbst unterschiedlich auslegt.

Eine Union, die ihr Geld zur globalen Leitwährung machen will, muss besser funktionieren. Brüssel geht es um weitaus mehr als nur die Frage, ob Premium-Fahrzeuge für die Welt künftig in Euro abgerechnet werden. Dass US-Präsident Donald Trump den Iran wirtschaftlich in die Knie zwingen will und dabei die Macht des Dollars ausnutzt, um auch die Unternehmen anderer Staaten zu instrumentalisieren, hat Europa getroffen. Und zwar nicht nur finanziell, sondern vor allem politisch.

 
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