Kommentar

Leidenszeit dauert an

Frank Schumann zur Entwicklung der Inflation

Die Inflation in Deutschland nähert sich in kleinen Schritten der Marke von zwei Prozent. Dort liegt die magische Grenze, ab der die Europäische Zentralbank (EZB) einen ausreichenden Preisauftrieb sieht – und Zinserhöhungen erwägt. Gute Nachrichten also für alle Sparer, Anleger und Lebensversicherte? Leider nein.

Die EZB gleicht bei ihrer Betrachtung alle Inflationsraten im Euroraum rechnerisch an. Dieser sogenannte harmonisierte Verbraucherpreisindex lag in Deutschland im Juli – wie in der gesamten Eurozone – bei 1,1 Prozent. Die Inflation hat sich damit spürbar abgeschwächt. Ein gewichtiger Grund für die Notenbanker, an ihrer lockeren Geldpolitik samt Niedrigzinsen festzuhalten. Und damit nicht genug. Deutschland wird sich heute in die europäischen Länder einreihen, deren Wachstum im zweiten Quartal deutlich an Fahrt verliert. Mit Italien und Frankreich steuern die drei größten Volkswirtschaften des Euroraums in die konjunkturelle Flaute – ein weiteres Argument für die europäische Notenbank, auf keinen Fall die Zinsen zu erhöhen. Die Leidenszeit von Sparern und Anlegern wird deshalb für unbestimmte Zeit andauern.

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