Kommentar

Kurze Atempause

Jan Kotulla zur Doppelvergabe der Sommerspiele

 

Alles prima in Lima? Auf den ersten Blick scheint es so. Bei der IOC-Session in der peruanischen Hauptstadt haben die Mitglieder grünes Licht für die Doppelvergabe der Sommerspiele 2024 und 2028 an Paris und Los Angeles gegeben. Diesem Abnicken sind lange Verhandlungen vorausgegangen, die Entscheidung ist eher aus der Not heraus geboren worden. Denn am Ende waren nur noch zwei Bewerber übrig und IOC-Chef Thomas Bach hat mehrfach deutlich gemacht, dass er keinem Kandidaten vor den Kopf stoßen wolle. Zurecht, beide Städte haben enormes Potenzial: Beachvolleyball unter dem Eiffelturm oder coole Spiele unter kalifornischer Sonne - das könnte das angekratzte Image von Olympia aufpolieren.

Die Doppelvergabe spielt auch Bach persönlich in die Karten, der seit seinem Amtsantritt fordert, die immensen Kosten zu senken: Es habe zu viele Verlierer gegeben, sagte der Jurist aus Tauberbischofsheim vor einiger Zeit bei einem Besuch in Mannheim. Die Millionen für ein frühes Aus schrecken ab - Hamburg, Rom, Boston und andere stiegen aus, auch auf Druck aus der Bevölkerung. Mit der Doppelvergabe hat sich das IOC Luft verschafft, um Lösungen zu finden.

Große Herausforderungen

Noch gravierender als bei den Sommerspielen ist die Problematik für die Winterspiele. Dort sind von Natur aus weitaus weniger Bewerber in der Lage, die Kriterien erfüllen zu können und es werden immer weniger. Den Klimawandel bringt Bach selbst ins Spiel, die steigenden Temperaturen verschärfen ein über Jahrzehnte hausgemachtes Problem. Immerhin müssen teure Bauten wie eine Bobbahn mittlerweile nicht um jeden Preis neu gebaut werden. Aber gerade Staaten wie Russland (Sotschi), China (Peking) oder Kasachstan (Almaty) nutzten und nutzen Olympia auch als Propagandamittel. Da spielen Nachhaltigkeit und Naturschutz keine große Rolle.

Vor Herausforderungen ganz anderen Ausmaßes stehen Bach und das IOC bei den Winterspielen im Februar. Das südkoreanische Pyeongchang liegt nur einen Katzensprung von der Grenze zu Nordkorea entfernt. Ein Start von Athleten aus dem isolierten Staat Kim Jong-Uns würde die Gefahrenlage deutlich entschärfen. Noch hat sich allerdings kein Sportler qualifiziert.