Kommentar

Komfort mit Tücken

Archivartikel

Wolfgang Mulke über das digitale Bezahlen

Bargeld steht bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Doch zumindest beim täglichen Einkauf wird es schneller verschwinden als die meisten vermuten. Es ist einfach bequem, die Giro- oder Kreditkarte im Supermarkt vor ein Lesegerät zu halten, auf den Piepston zu warten – und schon ist alles bezahlt. Niemand muss nach Kleingeld kramen oder verzweifelt versuchen, am Kiosk mit einem Hunderter ein Päckchen Kekse für 2,50 Euro zu kaufen, weil der Geldautomat keine kleinen Scheine ausgeben wollte. Auch notorische Bargeldanhänger wird dieser technische Fortschritt über kurz oder lang überzeugen.

Wie vieles hat auch diese Entwicklung Schattenseiten. Für die Verbraucher sind es gleich zwei. So geht der Überblick über die Ausgaben schnell verloren. Der Blick ins Portemonnaie offenbart schnell und zuverlässig, wie das Haushaltsbudget mit jedem Einkauf dahinschmilzt. Auf den Kontoauszug schauen die meisten Menschen eher selten. Es ist also Disziplin gefragt, damit unter dem Strich am Monatsende nicht eine wachsende rote Zahl steht.

Zweitens hinterlassen die Konsumenten ohne Bargeld eine für die Wirtschaft interessante Datenspur. Zahlungsdienste könnten daraus ein ziemlich vollständiges persönliches Profil ableiten und für ihre Zwecke nutzen.

Beide Schwächen werden die Kunden nicht vom bequemen Bezahlen abhalten. Sie sollten sie jedoch im Blick behalten. Immer wieder wird auch über die komplette Abschaffung des Bargelds diskutiert. Wünschenswert kann dies nicht sein. So hätten Verbraucher nicht mehr die Möglichkeit, sich Datensammlern zu entziehen. Bargeld ist ein Stück Freiheit. Gibt es Münzen und Scheine nicht mehr, ist der Mensch kontrollierbar.

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